Heidelberg

Enjoy Jazz I Niescier und Helfrich spielen nach Diskussion

Gleichberechtigung – unter Frauen

Gesagtes musikalisch belegen – geht das? Ja, es geht! In Deutschland begeht man den 100. Geburtstag des allgemeinen Frauenwahlrechts. Um das Jubiläum zu würdigen, hat das Enjoy-Jazz-Festival vor das Konzert des Duos mit der Altsaxofonistin Angelika Niescier und ihrer kongenialen Partnerin Anke Helfrich am Flügel ein Podiumsgespräch mit den beiden Musikerinnen gesetzt. Fazit: Fast auf allen Gebieten, so auch in der Musik, herrscht noch keine Gleichberechtigung beziehungsweise gleiche Teilhabe, wenn man bedenkt, dass nur zwölf Prozent aller Jazzinstrumentalisten weiblich sind.

Dichtes Programm

In Anbetracht der Kompetenz und Qualität weiblicher Künstler ist das ein beklagenswert kleiner Anteil. Tenor des Gesprächs unter Leitung von Martina Nieswandt von der Mannheimer Denkwerkstatt für Manager ist daher die möglichst rasche Anhebung dieser Quote. Nach dem durchaus interessanten Wortteil geht man zum konzertanten Bestandteil des Abends im Heidelberger Mark Twain Center über und liefert den musikalischen Beleg für die Forderung nach echter Gleichstellung.

Beweis der Virtuosität

Niescier und Helfrich sind dekorierte Repräsentantinnen ihres Fachs. Mit Originalkompositionen, deren hoher Schwierigkeitsgrad beiden ein hohes Maß an Konzentration abverlangt, spielt das Duo ein Programm, wie es dichter kaum sein kann. Besonders Niescier, als wollte sie ihre Virtuosität beweisen, lässt kaum eine klangliche Pause unausgefüllt. Nahezu frei interpretiert die gebürtige Stettinerin auch Kompositionen von Helfrich, die jedoch in ihrem Spiel strukturierter wirkt und mit ihren Kompositionen ihrer Partnerin einen Rahmen geben kann.

Für dieses Duo gilt: Gegensätze ziehen sich an, um einander zu ergänzen. Insoweit ist dem Thema des Abends auch musikalisch voll Rechnung getragen. Dass Enjoy Jazz bereits in zwei Jahren 50 Prozent Künstlerinnen buchen will, ist zu begrüßen und macht neugierig. A.B.A.