Heidelberg

Justiz Im Zivilstreit um den Alten Kohlhof sagt der Sohn der Eigentümerfamilie Hofbauer aus / Langes Verfahren erwartet

„Gourmet-Restaurant war der Plan“

Archivartikel

Heidelberg.Es ist ein Satz mit Symbolcharakter, den Andrea Großmann kurz vor Sitzungsschluss murmelt. „Wir sind hier so schnell noch nicht am Ende“, sagt die Richterin mehr zu sich als zu den Anwesenden im Saal des Heidelberger Landgerichts. Nach viereinhalb Stunden Zeugenbefragung sind die Fronten am zweiten Verhandlungstag im Zivilstreit um den Alten Kohlhof zwischen Stadt und Familie Hofbauer weiter verhärtet. Da der Gemeinderat einen Vergleichsvorschlag zuletzt abgelehnt hatte, sehen sich beide Parteien nun vor Gericht wieder.

Hauptstreitpunkt war gestern, ob die Familie Hofbauer in dem Anwesen auf dem Königstuhl ein Restaurant betrieben hat, bevor Oberbürgermeister Eckart Würzner am 25. Januar 2017 das Rückkaufrecht geltend machte. „Es war von Beginn an der Plan, dort ein Gourmet-Restaurant zu betreiben“, berichtet Florian Hofbauer, Sohn der Beklagten, im Zeugenstand. Er selbst habe das Objekt aufgetan und den Kauf in die Wege geleitet. Die Frau des Vorbesitzers, der zu dieser Zeit im Koma gelegen habe, sei häufig auf das Landgut Lingenthal gekommen, das damals noch den Hofbauers gehörte, und habe über finanzielle Probleme geklagt. „Sie wollte mir ihr Küchenequipment verkaufen und später das Lokal verpachten“, sagt er. Über die Schwester des damaligen Eigentümers sei es schließlich zum Kauf der Immobilie gekommen, in der laut Grundbuch bis 2022 ein Lokal betrieben werden muss. „Von der Pflicht haben wir erst beim Kaufvertrag erfahren“, sagt Hofbauer. „Aber das war kein Problem, da wir ohnehin ein Restaurant geplant hatten.“

Schnell habe sich gezeigt, dass der Sanierungsbedarf höher war als angenommen. „Wände, Böden, Rohre – alles musste raus, das Ding war tot“, so Hofbauer. Dann habe die Stadt Fristen gesetzt und alles sehr schnell gehen müssen. „Wir mussten improvisieren, aber im Januar 2017 waren wir betriebsbereit“, sagt er. Am 15. Januar habe es die Eröffnung gegeben, über die in der Presse zu lesen war. Seitdem könnten Kunden, wie es für Gourmet-Restaurants üblich sei, drei Monate im Voraus reservieren. Seither seien schon einige Gruppen bewirtet worden.

Hofbauers Aussagen widerspricht der damalige Leiter des städtischen Liegenschaftsamts, Ralf Krapp. „Auch auf mehrfache Nachfrage haben wir nie Beweise gesehen, dass dort tatsächlich ein Lokal betrieben wird“, sagt er. Bei einer Begehung des Anwesens im Sommer 2017 habe nichts darauf schließen lassen, dass dort irgendwann Gäste bewirtet worden seien. „Die Küchengeräte waren nicht angeschlossen, der Gastraum kaum möbliert und es gab keinen Kühlraum.“ Auch Nachbarn wollen bis auf den Eröffnungsabend nie etwas von einem Betrieb gesehen haben. „Hier hat jeder seine persönlichen Gründe, warum er aussagt“, entgegnet Florian Hofbauer darauf. Mehrfach artet die Befragung der Zeugen derart aus, dass die Kammer die Anwälte beider Parteien zurechtweisen muss. „Konkrete Fragen, keine Diskussion!“, wiederholt Großmann ständig.

Die Kammer überlegt nun, ein Gutachten einzuholen, das einen wirtschaftlichen Gaststättenbetrieb im Alten Kohlhof prüft. Der nächste Verhandlungstag ist auf Mittwoch, 18. April, 10 Uhr, datiert.