Heidelberg

Nominierung Spitzenkandidatin für den Bundestagswahlkampf in der Halle 02 in Heidelberg gekürt / 114 von 117 Mitgliederstimmen

Grüne nominieren in Heidelberg Franziska Brantner

Archivartikel

Es falle ihr schwer, niemanden zu umarmen, sagt Franziska Brantner, als das Ergebnis feststeht: 114 von 117 Grünen-Mitgliedern haben sich am Mittwochabend dafür ausgesprochen, mit der 40-Jährigen 2021 erneut als Direktkandidatin im Wahlkreis Heidelberg in die Bundestagswahl zu ziehen. „Superhappy“ sei sie mit dem Ergebnis, sagt Brantner in der Halle 02. Doch Glückwünsche muss sie mit Abstand entgegennehmen.

Das Treffen der Kreisverbände Heidelberg und Neckar-Bergstraße sowie des Ortsverbands Eppelheim sei die erste Veranstaltung dieser Größe in Heidelberg seit Pandemiebeginn, erklärt Bürgermeister Wolfgang Erichson. In der Halle sind Einbahnstraßen markiert, nur jeder dritte Stuhl darf besetzt werden. „Wir Grüne können auch Ordnungspolitik“, scherzt Erichson.

„Corona hat uns gezeigt, wie verletzlich wir sind“, sagt Brantner. Schockiert sei sie gewesen, wie schnell die Grenzen geschlossen wurden. Unterirdisch finde sie es, dass der Applaus für Pflegekräfte nicht in eine bessere Bezahlung umgemünzt wurde.

Jetzt müsse man gestärkt aus der Krise herauskommen: „Es liegt an uns Grünen, die wirtschaftliche Erholung zusammenzubringen mit Nachhaltigkeit, Klima und Umwelt.“ Die gebürtige Südbadenerin hat in Paris und New York studiert, später in Mannheim promoviert. Sie saß im EU-Parlament und sitzt seit 2013 im Bundestag. Europa ist ihr zentrales Thema. Brantner zeigt sich zwar erleichtert, dass Angela Merkel sich inzwischen für EU-Anleihen ausgesprochen hat. Mit der Europapolitik der Kanzlerin geht sie aber hart ins Gericht. Merkel kümmere sich zu wenig um das große Ganze, kritisiert Brantner - und fordert „mehr Kohl’sche Europapolitik“: „Helmut Kohl war ein Meister darin, die Dinge zusammen zu denken und große Pakete zu schnüren.“ Eine Ein-Frau-Show ist die Wahl nicht, denn Brantner hat einen Gegenkandidaten: Marcel Bretschneider ist den meisten Mitgliedern zwar unbekannt. Doch der 18-Jährige dürfte sich mit seiner Kandidatur für zukünftige Aufgaben empfohlen haben. Er spricht sich für kostenlosen Nahverkehr aus, schlägt für die Grünen aber auch ungewöhnliche Töne an: Greta Thunberg und die junge Generation empfindet er als undankbar gegenüber den Älteren. Am Ende muss sich der Heidelberger mit zwei Stimmen begnügen.

Brantner macht klar, dass sie 2021 nicht wieder auf der Oppositionsseite sitzen will: „Ich möchte sehr gerne, dass wir Teil der Bundesregierung werden.“

Zum Thema