Heidelberg

Auszeichnung Heidelberger Informatiker entwickeln Technik zur Kartierung von Notfällen mit / Hauptpreis von Fachmesse in Barcelona

Handy-Programm rettet Leben

Archivartikel

Heidelberg.„MapSwipe“ heißt das Projekt. Das klingt nach einem schnellen Putzgerät. Doch das Handyprogramm kann im Katastrophenfall große Hilfe leisten: Es stellt Helfern Kartenmaterial zur Verfügung, die damit humanitäre Einsätze schneller planen können. Heidelberger Geoinformatiker haben das Programm maßgeblich mitentwickelt. Von einer Fachmesse des spanischen Barcelona hat „MapSwipe“ jetzt einen Hauptpreis bekommen.

Darüber freut sich besonders Alexander Zipf, Leiter der Abteilung Geoinformatik am Geographischen Institut der Ruperto Carola. Die Heidelberger Wissenschaftler waren von Anfang an bei der Entwicklung von MapSwipe entscheidend beteiligt. So haben sie unter anderem den Crowdsourcing-Ansatz für die App entworfen. Denn das besondere an diesem digitalen Werkzeug für Hilfseinsätze ist, dass Tausende von Ehrenamtlichen daran mitarbeiten. Sie erhalten Satellitenbilder bestimmter Regionen und müssen durch Klicken oder Wischen (englisch: „swipe“) relevante Strukturen erkennen. Von besonderem Interesse sind dabei Straßen oder Gebäude sowie Wasserzugänge. Die über „MapSwipe“ gewonnenen Daten können beispielsweise dazu verwendet werden, die Zahl der Bewohner in dem von einem Notfall betroffenen Gebiet zu ermitteln oder die Ausbreitung von Krankheiten zu bekämpfen.

Ob Flüchtlingshilfe in Kolumbien, Impfkampagnen im Tschad und der Kampf gegen Ebola in der Demokratischen Republik Kongo: In allen drei Fällen hat sich „MapSwipe“ bereits als sehr hilfreich erwiesen, erklärt Benjamin Herfort, Mitarbeiter der Abteilung Geoinformatik der Universität. Die Fachmesse Mobile World Congress in Barcelona (Spanien) ist der Treffpunkt der Mobilfunkbranche schlechthin. Im vergangenen Jahr kamen laut Veranstalter rund 2400 Aussteller und 109 000 Besucher. In diesem Jahr sollte der „GSMA Mobile World Congress“ vom 25. bis 28. Februar stattfinden. Wegen des grassierenden Coronavirus ist das Branchentreffen indes abgesagt worden.

Die Auszeichnungen sind trotzdem verliehen worden: Den Preis erhielt „MapSwipe“ in der Kategorie 5 („Tech4Good“). Damit wurde die „beste mobile Innovation für Hilfseinsätze“ gewürdigt. Die Jury lobte „das außergewöhnlich wichtige Projekt mit klaren Resultaten und einem großen Nutzen für vielfältige Regionen“. Insgesamt wurden „GLOMOAwards 2020“ in neun Kategorien vergeben.

Integrierte Anleitung

Zipf ist nicht nur Professor an der Universität, sondern auch Geschäftsführer des Heidelberg Institute for Geoinformation Technology (HeiGIT), das von der Klaus Tschira Stiftung getragen wird. Es fördert die Umsetzung von Forschungsergebnissen in die Praxis.

„In absehbarer Zeit wird es auch möglich sein, maschinelles Lernen und Technologien der Künstlichen Intelligenz dazu zu nutzen, das offene Mapping zu verbessern“, ist der Geoinformatiker sicher. Zipfs Team entwickelt nicht nur die App weiter, sondern auch Mini-Programme innerhalb der App: Diese Tutorials helfen den Nutzern, bessere Daten beizusteuern. Fast 30 000 Menschen haben bereits Karten bearbeitet. Insgesamt ist damit eine Fläche von 850 000 Quadratmetern zur Verfügung gestellt worden – aktuell gibt es Projekte im Südsudan und im Delta Amacuro (Venezuela).

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