Heidelberg

Coronavirus II Camilla Rothe arbeitet am Münchner Tropeninstitut und behandelte 2014 auch einen Ebola-Patienten in Deutschland

Heidelbergerin betreut ersten deutschen Fall

Archivartikel

Heidelberg/München.„Wir waren durch einen Anruf vorbereitet. Die Notfallpläne standen. Als der Patient durch die Tür kam, haben wir ihm gleich eine Atemmaske aufgesetzt und ihn am übrigen Besucherverkehr vorbeigeschleust“: Die Heidelbergerin Camilla Rothe hat den ersten deutschen Coronavirus-Patienten betreut. Sie ist Oberärztin am Tropeninstitut der Ludwig-Maximilians-Universität in München, das zu den größten in Deutschland gehört. Der 33 Jahre alte Mitarbeiter eines bayerischen Autozulieferers hatte – wie ein ebenfalls erkrankter Kollege – ein Seminar bei einer Chinesin besucht, die zunächst selbst keine Symptome einer Infektion zeigte. Am Montag vor einer Woche kam er in die Münchner Ambulanz. Zwei weitere Personen hatten sich da vermutlich schon bei ihm angesteckt.

Das Münchner Team, zu dem Rothe gehört, hat die vier ersten deutschen Fälle von „2019-nCoV“, wie der Coronavirus heißt, inzwischen im renommierten „New England Journal of Medicine“ beschrieben. Seit Anfang Januar hatten Rothe und ihre Kollegen das Geschehen, das im chinesischen Wuhan begann, im Blick. Das Robert-Koch-Institut gab da eine Falldefinition heraus. Am ersten deutschen Fall war einiges besonders: Die Chinesin erkrankte erst nach ihrer Rückkehr in die Heimat. Das wurde nach München zurückgemeldet, um ihre Kontaktpersonen zu ermitteln.

Rothe war bereits dabei, als der erste Ebola-Patient nach Deutschland gebracht wurde: Vor sechs Jahren kam der Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation am Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf an. Weitere berufliche Station der gebürtigen Heidelbergerin, die in Freiburg und Berlin studierte, war Malawi. Seit fast drei Jahren arbeitet sie am Münchner Institut.

Und wie geht es den ersten deutschen Coronavirus-Patienten? „Sie befinden sich weiter im Krankenhaus, aber nicht aus klinischer Notwendigkeit, sondern aus Gründen der öffentlichen Gesundheit“, berichtet Rothe.

Zum Thema