Heidelberg

Spende Heidelberger Jugendhof erhält aus dem Opferfonds 5000 Euro / Jugendliche leisten Arbeitsstunden ab

„Hier gibt’s immer etwas zu tun“

Heidelberg.Füttern, ausmisten, Zäune reparieren und Ställe umbauen: Auf dem Jugendhof in den Hangäckern in Heidelberg-Rohrbach gibt es einiges zu tun. Auch Jugendliche, die schon Kontakt zu einem Jugendgericht hatten und Arbeitsstunden ableisten müssen, können mit anpacken.

„Hier hatte ich viel Zeit zum Nachdenken, auch über meine Fehler“, sagt Paul selbstkritisch. Weil er ständig die Schule geschwänzt hat, muss er 50 Stunden Arbeit auf dem Jugendhof leisten. „Ich hatte keine Lust auf Schule, war lieber unterwegs.“ Besonders gefällt ihm die Arbeit mit den Tieren.

Angebot für Praktikum

Gerade noch hat er zwei ausgebüxte Hühner in den Stall zurückgebracht, wenig später führt er das weiße Pony Sissi mit einer Besuchergruppe von kleinen Kindern. 30 Stunden hat Paul in knapp zwei Wochen schon abgeleistet. Da er seinen Schulabschluss inzwischen in der Tasche hat, aber noch keinen Ausbildungsplatz, möchte ihm der Jugendhof einen Praktikumsplatz anbieten. „Wir brauchen ihn noch, der neue Stall braucht einen Boden“, sagt Verwaltungsleiter Manfred Föhr lächelnd. Zwei Ponys, zwei Katzen, Hühner, Schafe, Ziegen, Kaninchen und ein altes Hängebauchschwein leben auf dem Jugendhof im Süden Heidelbergs. Die meisten Bewohner sind Tierschutzfälle, wurden wegen schlechter Haltung von Ämtern beschlagnahmt und bekommen hier ein neues Zuhause.

Jeden Tag kommt viel Kinderbesuch vorbei. Neben den beiden hauptamtlichen Fachkräften unterstützen Studenten auf Honorarbasis, Praktikanten und Ehrenamtliche die offene Jugendarbeit des Vereins auf seinem gepachteten Gelände.

Ohne Spenden könnte der Jugendhof trotz der Ehrenamtlichen nicht überleben. 5000 Euro haben gestern Reiner Greulich, Geschäftsführer des Präventionsvereins „Sicheres Heidelberg“ und Tanja Kramer, Geschäftsführerin der kommunalen Kriminalprävention Rhein-Neckar, vorbeigebracht. Das Geld stammt aus dem Opferfonds.

Er sei im Jahr 2000 auf Initiative des früheren Jugendrichters Dierk Helmen von den beiden Präventionsvereinen gegründet worden, berichtet Greulich. Seine Aufgabe: Bußgelder und Geldstrafen, die Gerichte verhängen, werden an die Geschädigten in Strafprozessen ausgezahlt. Verurteilte Jugendliche, die über keine finanziellen Mittel verfügen, können diese Zahlungen bei Einrichtungen der Jugendhilfe abarbeiten – für sieben Euro pro Stunde. Haben sie ihre Stunden erbracht, zahlt der Opferfonds für sie an die jeweiligen Geschädigten. „Die können dann auch mit dem Geschehen abschließen“, weiß Greulich.

Auf dem Jugendhof gehe es aber nicht allein darum, aufgebrummte Strafarbeit zu leisten. „Bei der Arbeit an gemeinsamen Projekten tauen die Jugendlichen schnell auf“, sagt der zweite Vorsitzende Claudio Thunsdorff. Viele würden es gar nicht kennen, zusammen an einem Projekt zu arbeiten: „Sie sind viel auf sich selbst gestellt.“ Die Jugendlichen würden betreut und könnten so ihre Straftaten reflektieren, ergänzt die Vorsitzende Angelika Treiber.

Neue Schweine ziehen ein

Weil ein neues Schweinepaar einziehen soll, gab es in den vergangenen Wochen besonders viel zu tun: Die Ponys zogen in einen größeren Stall, die Schafe auch, damit die neuen Schweine ein hübsches Haus bekommen.

„Arbeitsstündler“ Paul hat sich auch handwerklich gut einbringen können. Den Schubkarren zu reparieren, sei ihm recht leicht gefallen: „Ich habe schon in einer Kfz-Werkstatt gearbeitet“, erzählt der 16-Jährige – und da klingt unüberhörbar auch eine Portion Stolz mit.