Heidelberg

Hoch die Flaschen

Archivartikel

Michaela Roßner zur VGH-Entscheidung in Sachen Sperrzeit

Die Gastronomen der Heidelberger Altstadt können ein Fass aufmachen: Seit gestern dürfen Kneipen und Clubs an fast allen Tagen eine Stunde länger offenbleiben. Paradoxerweise ist das – vorübergehend – das Ergebnis einer erfolgreichen Klage lärmgeplagter Altstadtbewohner.

Den Menschen, die an der Hauptstraße, in der Unteren Straße oder den Gassen um den Marktplatz leben, stehen kurze Frühlingsnächte ins Haus. Hoch die Flaschen. Gruppen angetrunkener Grölender werden ihnen in den nächsten Wochen ein garstiges „Wecklied“ singen, während sie sich auf ihren Arbeitstag oder die Schule vorbereiten.

Langfristig indes macht die Entscheidung der Verwaltungsrichter den Weg frei für eine rücksichtsvollere Sperrzeitverordnung. Die zu formulieren, so die eindeutige Aussage, ist nicht Aufgabe des Gerichts, sondern des Gemeinderats. Und so landet der Schwarze Peter erneut bei den Fraktionen: Sie müssen jene Regelung finden, die für alle passt – Touristen, Studenten, Ausgehvolk, Betriebsinhaber, Geschäftsleute, Hoteliers und Bewohner aller Alters- und Sozialschichten – und nicht erneut von einem Gericht kassiert wird. „Viel Spaß!“ möchte man noch hinterherrufen. Das Problem liegt indes woanders: Hohe Wohnqualität und Ballermann-Feier-Mentalität passen schlicht nicht zusammen. Die Frage ist, wohin die Reise in der Altstadt geht.

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