Heidelberg

Bürgerstiftung Projekt „Die Insel“ bietet Wohnung an, in der getrennt Lebende sich mit ihren Kindern treffen können

Hübsches Zuhause auf Zeit

Archivartikel

Heidelberg.Es ist ein hübsches Zuhause auf Zeit: helle Farben, kindgerechte, gemütliche Einrichtung und die Straßenbahn hält vor der Tür. Im Czernyring hat die Bürgerstiftung Heidelberg nach längerer Suche eine passende Wohnung gefunden und eingerichtet. „Die Insel“ soll Kindern von Eltern, die sich getrennt haben, ein bisschen Alltag mit Vater oder Mutter gönnen, die nicht mehr hier wohnen. Eine private Spende von 500 000 Euro macht dieses wohl überregional einzigartige Angebot möglich. Angestoßen wurde das Projekt von der Bürgerstiftung, umgesetzt und betreut wird „die Insel“ vom Luise Scheppler-Heim.

Fast jedes dritte Kind wächst in Heidelberg bei nur einem Elternteil auf. Kommt der andere Elternteil zu Besuch und möchte mit den Kleinen Zeit verbringen, fehlt es häufig an einem passenden Ort. Die Familienwohnung gibt es nicht mehr oder sie soll Rückzugsort für den anderen Partner sein – und immer in den Zoo zu gehen, ist auch keine Lösung. Ein Hotelzimmer kostet Geld – das ist bei sich trennenden Familien oft knapp.

So entstand die Idee für die „Insel“: Kindgerechte Rückzugsräume für die Familie, die kostenlos genutzt werden können. Stolz ist auch Gerhard Kammerer beim Rundgang durch die frischrenovierte und neu eingerichtete Wohnung anzumerken. Er hat „Die Insel“ mit einer privaten Spende von einer halben Million Euro möglich gemacht. Initiator Hans Joachim Bremme, Mitglied des achtköpfigen Stiftungsrates der Bürgerstiftung half der Idee auf die Beine. Er ist sicher, dass das Angebot auf riesige Nachfrage stoßen wird.

Erstgespräch vor dem Einzug

Interessierte Eltern wenden sich an das Luise Scheppler-Heim, das die Anfragen koordiniert und zu einem persönlichen Erstgespräch einlädt. Zwei erfahrene Ehrenamtliche würden dieses „Vorstellungsgespräch“ führen – selbstverständlich würden alle Daten und Details daraus vertraulich behandelt. Die „Insel“ kann sowohl stundenweise, als auch für längere Besuche mit Übernachtung genutzt werden, erklären die Initiatoren, zu denen auch Switgard Feuerstein gehört. Denkbar sei auch, dass etwa ein Vater mit seinen drei Kindern zum Hausaufgabenmachen ein paar Stunden in die Wohnung kommt.

„Es könnte durchaus sein, dass die Nachfrage größer ist, als wir mit einer Wohnung abdecken können“, blickt Feuerstein schon voraus: „Wir können uns durchaus vorstellen, es weiter auszubauen und eine weitere Wohnung zu mieten oder zu kaufen.“

Die erste Rumpffamilie durfte schon die neue Adresse testen: Ein Kind, das nicht mit dem Vater im Hotel wohnen möchte, hat hier ein eigenes Kinderzimmer bezogen. Der Vater, der nun im Ausland lebt, und seine Tochter konnten so eine „ganz normale Woche“ erleben – inklusive Schulbesuch.

Das Angebot soll niederschwellig sein und ohne größere bürokratische Hürden zur Verfügung gestellt werden. Was den Wohnort der Kinder angeht, will man flexibel reagieren können – auch Kinder aus Eppelheim oder Schriesheim könnten hier Zeit mit den Eltern verbringen.

Ein Ausschlusskriterium indes gibt es für die „Insel“: Das Angebot kommt nicht für Eltern in Betracht, die im begleiteten Umgang sind – also nur unter Aufsicht eines Mitarbeiters des Jugendamtes den Nachwuchs sehen dürfen.

Für die Bürgerstiftung ist es – im zehnten Jahr des Bestehens – das größte Projekt. Inzwischen haben Familiengerichte und andere Organisationen, die sich um Familien in Trennungssituationen betreuen, „Insel“-Broschüren bekommen. „Wir haben durchweg positive Reaktionen erhalten“, erzählt Ulrich Böhringer-Schmidte, der das Luise Scheppler-Heim leitet.

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