Heidelberg

Ausbildung Sozialminister Manfred Lucha besucht „Cook your future“ in Kirchheim / Landesintegrationspreis „Zivilgesellschaft“

Jugendliche erkochen sich eine Zukunft

Heidelberg.Auch ein Minister kann etwas dazulernen: zum Beispiel, wie man mittels eines Eisportionierers halbrunde Pastenportionen formt. „Nicht schlecht“, staunt der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha am Donnerstagmittag im Bürgerzentrum Heidelberg-Kirchheim. „Cook your future (Koche Dir Deine Zukunft)“ heißt die Initiative der Jugendagentur Heidelberg, die er besuchte. Unter Anleitung von Frank Nuscheler und Uschi Hummel erkochen sich die aus ihren Heimatländern geflüchteten Jugendlichen Qualifikationen für eine Ausbildung in der Gastronomie.

Im Mai folgte die Initiative, die in der Hotelfachschule gegründet wurde, einer Einladung nach Stuttgart: Lucha überreichte Nuscheler und seinen Begleitern den Landesintegrationspreis in der Kategorie „Zivilgesellschaft“. Damit sei nicht nur das Projekt ausgezeichnet worden, betonte Lucha, sondern auch „die Heidelberger Bürgergesellschaft“, die die Geflüchteten so engagiert dabei unterstütze, in der Fremde Fuß zu fassen.

Hala ist vor drei Jahren aus Syrien gekommen. In flüssigem Deutsch erzählt sie, dass sie gerne eine Ausbildung absolvieren möchte, während sie lächelnd und sichtlich stolz die Brötchen für das Essen mit dem Minister im Ofen kontrolliert.

Ksanet (20) aus Eritrea bringt bewundernswerte Geduld auf, als sie mit einem großen Messer aus einem Apfel Kerben schnitzt, die nachher wie ein Fächer aussehen. „Köchin“ möchte sie werden, und als sie das sagt, strahlen ihre Augen. Mit 4000 Euro ist der Preis dotiert – die werden auf jeden Fall den Jugendlichen zugutekommen, verspricht Nuscheler. Je acht Wochen dauert ein Lehrgang bei „Cook your future“, ein vierwöchiges Praktikum schließt sich an. Morgens wird gekocht, nach dem Essen geht es in einen Unterrichtsraum, wo auch die Lehrküche untergebracht ist.

„Je nach Sprachkenntnis bekommen die Jugendlichen unterschiedliche Aufgaben, die zu den gekochten Mahlzeiten passen“, erklärt Sprachlehrerein Hummel.

Von 9.30 bis 15.30 Uhr dauert ein Tag. Die Jugendlichen nehmen nicht nur Küchenwissen und deutsche Vokabeln sowie Grammatik mit, sondern Motivation, Selbstvertrauen und Tugenden wie Fleiß und Pünktlichkeit.

Davon profitieren Gastronomie und Hotellerie, die dringend Personal suchen. Aber auch in den Pflegebereich hat Nuscheler schon erfolgreich vermittelt. 44 Teilnehmer haben „Cook your future“ bereits absolviert, 60 die einwöchige Testphase. Zwölf haben eine Ausbildung begonnen, sieben davon in der Gastronomie.

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