Heidelberg

Juristen am Zapfhahn

Archivartikel

Wie der Korken einer Sektflasche knallt die Entscheidung des Gemeinderats Dienstagabend in die Öffentlichkeit: Die Sperrzeiten in der Altstadt werden lockerer gehandhabt, als es die Rathausspitze mit Umwelt-, Bürgerdienste- und Integrations-Bürgermeister Wolfgang Erichson vorschlug. Vorübergehend, muss man hinzufügen, denn es ist absehbar, dass auch diese Regelung die Verwaltungsgerichte beschäftigen wird. Im März erst hat der Verwaltungsgerichtshof eine mildere Variante kassiert und damit den Klagen von Altstadtbewohnern Recht gegeben, die vor dem nächtlichen Lärm geschützt werden müssen.

Traurig, dass in der schönen Altstadt mit ihren malerischen Gassen und vielfältigen Gastronomieangeboten nicht genauso lang gefeiert werden darf wie zum Beispiel in den Nachbarstädten Mannheim oder Weinheim. Dort gelten die Vorgaben des Landesgaststättengesetzes, und die erteilen Kneipen am Wochenende Ausschankgenehmigungen bis fünf Uhr. Aber die (geballte) Masse macht’s: Wer daheim Ballermann-Feeling sucht, schlurft in die Untere Straße.

Eine beeindruckende Abstimmungsallianz von CDU und Linken, der sich auch Fraktionsmitglieder der SPD, der Grünen und weiterer Gruppierungen anschlossen, machte die neuerliche Lockerung möglich. Die Freude darüber währt vermutlich nur kurz: Jetzt sind leider wieder die Juristen am Zapfhahn.

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