Heidelberg

Auszeichnung Sozialwissenschaftlerin Heide Häberle erhält Bundesverdienstkreuz / Eltern in Betreuung einbezogen

Kämpferin für kranke Kinder

Archivartikel

Heidelberg.Die Frage, warum sie sich mit dem Leid anderer Menschen befasst, deren seelischen und körperlichen Schmerz zu lindern versucht und dabei auch einen großen Teil ihrer Freizeit investiert, kann Heide Häberle schnell beantworten. "Es ist eine Lebensbereicherung", sagte die 77-jährige Sozialpsychologin. Im Heidelberger Rathaus hat Oberbürgermeister Eckart Würzner ihr das Bundesverdienstkreuz ans Revers heftet. Mit ihrem Mann Eckehard, Sohn Florian, der Schwiegertochter und ehemaligen Kollegen ist Häberle in das holzgetäfelte Arbeitszimmer des Stadtoberhauptes gekommen, um die Auszeichnung entgegenzunehmen.

"Für die Eltern gab es noch Besuchszeiten", erinnerte sich Heide Häberle an den Anfang ihrer Tätigkeit an der Heidelberger Universitätsklinik in den 1980er Jahren. Gleich zu Beginn ihrer Arbeit - sie kümmerte sich in der Abteilung für psychosoziale Nachsorge um an Krebs erkrankte Kinder - war es der promovierten Sozialwissenschaftlerin wichtig, auch deren Familien in die Behandlung einzubeziehen. Krebs sei damals häufiger ein Todesurteil gewesen, weshalb der Klinikaufenthalt stark palliative Züge aufgewiesen habe. Auch in der Schmerzmitteldosierung sei man nicht auf die Bedürfnisse der jungen Patienten eingegangen.

Für Eltern, die mit dem Bau eines Eigenheims und der Familiengründung beschäftigt waren, sei die Diagnose besonders erdrückend gewesen. Vor allem die berufstätigen Väter und die Geschwister seien anfällig, selbst nachhaltige psychische Schäden zu erleiden, letztere wegen der fehlenden Beachtung durch ihre Eltern, deren ganze Aufmerksamkeit dem erkrankten Kind gelte. Dies hätten auch ihre eigenen Studien bestätigt, mit denen sie ihre Arbeit begleitete, um Sponsoren zu gewinnen und ihr Wirken in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Vereinsgründung 1982

Nach einem Praktikum in den USA und durch die enge Bekanntschaft mit einer betroffenen Mutter, gründete Heide Häberle 1982 den Verein "Aktion für krebskranke Kinder" und lud schon bald Eltern aus ganz Deutschland nach Heidelberg zum Erfahrungsaustausch ein. Ungewohnt sei dies zunächst gewesen. Und es habe viel Energie gekostet, bei Ämtern und Behörden Unterstützung zu erhalten. Auf diese damals bundesweit einzigartige Initiative sei sie heute stolz, erklärte die Geehrte, die bis 2014 Kuratoriumsmitglied der Deutschen Kinderkrebsstiftung war. Diese Stiftung ist auch Träger des "Waldpiraten-Camps", einer erlebnispädagogischen Einrichtung zwischen Rohrbach und dem Max-Planck-Institut im Wald über der Stadt. Kinder erhalten dort während und nach ihrer Therapie eine intensive, zum Klinik-alltag in Kontrast stehende Betreuung.

Weiter Betreuerin

Jeweils zehn Tage lang wohnen die Teilnehmer in kleinen, um ein Gemeinschaftshaus samt Mensa gruppierten Holzhütten, und dürfen beim Klettern oder Kanufahren eine unbeschwerte Zeit erleben. "Auch wer körperliche oder seelische Schäden davonträgt, kann später ein glückliches und beruflich erfolgreiches Leben führen", betont Heide Häberle, weshalb im Camp auch Ehemaligentreffen stattfänden. Sie selbst sei dort noch immer als Betreuerin aktiv, führte sie am Ende der Zeremonie im Rathaus aus.

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