Heidelberg

Neuenheimer Feld Dietmar Hopp finanziert Ausbau mit zwölf Millionen Euro aus seiner Stiftung / Abteilung zieht aus Chirurgie aus

Kindermedizin an einer Adresse

Archivartikel

Heidelberg.„Ein wunderbares Geschenk – zum Wohl unserer kleinen Patienten“: Annette Grüters-Kieslich, Leitende Ärztliche Direktorin und Vorstandsvorsitzende des Heidelberger Universitätsklinikums, steht die Freude ins Gesicht geschrieben – auch als Kinderärztin. Nach 22 Monaten Bauzeit ist gestern die Erweiterung der Heidelberger Universitätskinderklinik übergeben worden. Eine Spende der Dietmar Hopp Stiftung in Höhe von zwölf Millionen Euro hatte die Aufstockung des Funktionsanbaus möglich gemacht. Sie war nötig geworden, weil die Kinderklinik immer weiter wuchs. „Jetzt ist alles unter einem Dach“, sagt Mäzen Hopp zufrieden. 2013 war bereits die Kinderkardiologie eingezogen.

Gebaut wurde bei laufendem Klinikbetrieb im Stockwerk darunter, betont Bernd Müller, Amtsleiter Vermögen und Bau, die knifflige Aufgabe, die eine weitere „Veredelung des Heidelberger Klinikrings“ bringe.

Auch Guido Adler, der frühere Leitende Ärztliche Direktor, kam zur Einweihungsfeier. Seine Vision, „die komplette Kindermedizin unter einem Dach“, habe den Ausbau angestoßen, lobt der Chef der Kinderklinik, Georg F. Hoffmann. Bislang mussten Eltern mit verletzten Kindern noch die mehrere hundert Meter entfernte Chirurgie ansteuern, nun gibt es einen Eingang für alle jungen Patienten – die gemeinsame Tür zwischen Kinder- und Frauen- sowie Hautklinik.

Oberbürgermeister Eckart Würzner bedankt sich bei Mäzen Hopp und verweist auf das nächste Projekt, das den Standort Universitätsmedizin weiter stärken wird: Das Kindertumorzentrum (KiTZ), für das der SAP-Gründer bereits 20 Millionen Euro versprochen hat. Insgesamt, rechnet Hopp vor, habe seine Stiftung der Universitätsmedizin Heidelberg und Mannheim seit 1996 rund 280 Millionen Euro zur Verfügung gestellt oder schon zugesagt.

50 Millionen Euro flossen bereits in die Heidelberger Kindermedizin. Sein Lieblingsförderprojekt, verrät Hopp, sei immer noch das Neugeborenenscreening, bei dem ein Tropfen Blut des Babys nach der Geburt ausreiche, um zum Beispiel Stoffwechselkrankheiten so früh erkennen zu können, dass dem Kind schwere Behinderungen oder gar ein früher Tod erspart bleiben. 16,3 Millionen Euro gab Hopp für diesen Bereich, der von Professor Hoffmann ausgebaut wurde.

Krankenhausalltag verändert

Ziemlich genau zehn Jahre ist es nun her, dass die Kindermedizin aus dem „sozialistischen Plattenbau“, wie Hoffmann formuliert, auszog: Am alten Standort der Kinderklinik gegenüber dem Botanischen Garten seien „noch nicht einmal Toiletten und Duschen für Gäste“ vorhanden gewesen: „Besuchszeit war zwei Mal in der Woche eine Stunde“, erinnert er an eine Zeit, in der Eltern ihre Kinder kaum begleiten konnten in den schweren Stunden. Das ist heute anders: In jedem der Ein- und Zweibettzimmer ist Platz zumindest für ein schmales Beistellbett, zu jedem Krankenraum gehört eine Nasszelle dazu und Mütter und Väter dürfen bei den Kleinen bleiben, so lange sie können. In Leichtbauweise ist eine 1075 Quadratmeter große Etage auf den schlichten Funktionsbau aufgesetzt worden, erklärt Arndt Saenger vom Architekturbüro Nickl aus München. Mit dem zehn Jahre alten Hauptbau und seiner kunterbunten Fassade sind die neuen Räume über eine gläserne Brücke im Obergeschoss verbunden. Zwei außen angesetzte Stahltreppen sichern die Rettungswege.

In der neuen Etage entstand unter anderem Platz für 40 Pflegebetten, in denen vor allem kleine Herz- und Stoffwechselpatienten schlafen werden. Bislang war die Kinderkardiologie-Station im dritten Stock des Hauptgebäudes einquartiert. Die weiß und orange gehaltenen Kranken- und Behandlungszimmer werden in den nächsten sechs Wochen bezogen. Durch die Aufstockung mit 1075 Quadratmetern zusätzlicher Nutzfläche und den Umzug der Stationen erhöht sich die Anzahl im Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin auf 208 Betten. Davon sind 50 Intermediate-Care-Betten. In der Normalpflege stehen 32 Betten (vorher 126) zur Verfügung.

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