Heidelberg

Spenden Fünf Tage lang ziehen die Sternsinger durch Heidelberg und sammeln Geld für Projekte im Libanon / Empfang im Ratssaal

Kleine Könige vor der Haustüre

Archivartikel

Heidelberg.Viele kleine Könige verzichten diesen Donnerstag auf ihren Thron. Ganz nonchalant sitzen sie mit ihren farbenprächtigen Gewändern im Schneidersitz auf dem Parkett im Heidelberger Rathaus. Aus ihrer Masse ragen Stäbe mit goldenen Sternen, ihre Kronen glänzen. Konzentriert lauschen sie der Begrüßung von Wolfgang Erichson, dem Heidelberger Bürgermeister für Umwelt, Bürgerdienste und Integration, der sie im Rathaus zum Auftakt des diesjährigen Dreikönigssingens in Empfang nimmt.

70 Kinder, 4 Tage

Von 2. bis 6. Januar ziehen rund 70 Kinder verkleidet als Heilige Drei Könige durch die Straßen, schreiben den Segenspruch „20*C+M+B+20“ an Haustüren und sammeln Spenden. „Unsere Sternsinger sind in zwölf Stadtteilen der Katholischen Stadtkirche Heidelberg unterwegs“, erzählt Pastoralreferent Carsten Groß. Dabei klopfen sie nicht an alle Haustüren, sondern kommen oft nur auf Anfrage. „Ungefähr die Hälfte unserer Stadt ist bekenntnislos“, so Groß. Da sei ein Besuch der Sternsinger nicht immer erwünscht. Arshpreet (11) ist bereits die letzten beiden Jahren mitgelaufen. Warum macht sie mit? „Ich will, dass die Leute auf der ganzen Welt so gut leben können, wie wir hier.“ Deshalb hat sie auch ihren Bruder zum Mitmachen überredet, gemeinsam könnten sie noch mehr Spenden sammeln. Die Motive der anderen kleinen Könige? „Ich mag die Süßigkeiten, die man kriegt“, sagt der zehnjährige Anton, besinnt sich kurz und ergänzt: „Es macht auch Spaß mit den anderen Kindern zusammen zu sein.“

Schwerpunkt Libanon

Conrad (9) macht mit für den guten Zweck. Er ist schon ein alter Hase bei den Sternsingern, allerdings kein besonders typischer: „Süßigkeiten mag ich nicht“, erklärt er kategorisch, „lieber Gesundes“. Seinen allerersten Segensspruch hat er am Haus seiner eigenen Familie angebracht, erzählt der Junge stolz. Dem zehnjährige Theo macht vor allem das gemeinsame Singen Spaß.

Das Leitwort der diesjährigen Aktion Dreikönigssingen lautet „Frieden! Im Libanon und weltweit“. Der gesellschaftliche Friede in diesem Land stehe aufgrund der vielen Flüchtlinge vor großen Herausforderungen, erklärt Erichson seinen jungen Zuhörern.

Die gesammelten Spenden werden unter anderem für Bildungs- und Begegnungsprojekte im Libanon eingesetzt, aber auch für die medizinische Versorgung dort. „Zu den Projekten zählen auch interreligiöse Klassenprojekte. Hier kann die junge Generation lernen, dass sie trotz unterschiedlicher Herkunft oder Religion mehr verbindet als trennt“, sagt Carsten Groß.

Zoogutscheine für die Teilnehmer Den Empfang im Heidelberger Rathaus gibt es seit 2009 jedes Jahr. Erichson überreicht an die Kinder einen symbolischen Scheck mit einer Vorab-Spende in Höhe von 500 Euro aus den persönlichen Verfügungsmitteln des Oberbürgermeisters Eckart Würzner.

Gemeinsam singt die Truppe das Lied „Stern über Bethlehem“, bevor Arshpreet (11) und ihr kleiner Bruder Kanwarsherpal (9) das Friedenslicht anzünden, das später am Rathaustresen für Besucher weiterbrennen soll. Den ersten Segensspruch schreiben die Kinder an die Wand des Rathauses. Noch ein letztes gemeinsames Foto und sie ziehen weiter – in ihrer Tasche Zoogutscheine von der Stadt. Die kleinen Trupps aus Königen machen sich auf zu ihren ersten Besuchen. Die siebenjährige Safi ist ein Profi: Sie trägt das Kässchen und streckt es bereits auf der Hauptstraße geneigten Passanten entgegen.

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