Heidelberg

Bergheim Neues Collegium Academicum plant Wohnprojekt im US-Hospital / Modell-Zimmer aus Holz steht in der Kurfürsten-Anlage

Kleiner Raum, großes Projekt

Heidelberg.14,5 Quadratmeter ist der Raum groß, der früher eine „Bude“ genannt worden wäre. Es steckt alles drin, was ein Student zum Leben braucht: ein mittelgroßes Bett, Schränke und viel Stauraum und ein großer Schreibtisch. Der Raum ist in Holz-Steck-Bauweise errichtet, die Möbel maßgefertigt – rustikaler als jedes schwedische Möbelhaus es bietet. Der „Demonstrator“, wie das Musterzimmer heißt, ist indes sehr mobil, hat schon im Neuenheimer Feld vor der Zentralmensa und auf dem Uniplatz in der Altstadt gestanden, für sich und die große Idee dahinter geworben. Nun kann er vier Wochen lang in der Kurfürsten-Anlage 58 besichtigt werden – auch ein Projekt der Internationalen Bauausstellung (IBA).

„Wir möchten gerne zeigen, wie fühlt sich das an?“, begründet Franziska Meier. Sie gehört zum Projektteam, dass das Collegium Academicum (CA) realisieren möchte: gemeinschaftliches Wohnen auf dem Areal des ehemaligen US-Hospitals im Heidelberger Stadtteil Rohrbach. Drei oder vier dieser „Holzboxen“ sollen zu jeweils einer Wohngemeinschaft zusammengebracht werden.

Große Gemeinschaftsräume

„Die Mieter profitieren aber nicht nur von diesem Raum, sondern können auch rund 600 Quadratmeter Gemeinschaftsräume inklusive einer Aula und einer großen Dachterrasse nutzen. Im Erdgeschoss soll eine Werkstatt eingerichtet werden. „Jeder, der hier wohnt, wird – nach seinen Möglichkeiten – einen Beitrag für die Gemeinschaft leisten“, ergänzt Charlotte Lachauer, die ebenfalls dem Projektteam angehört, das in gut einem Jahr von fünf auf 25 Personen angewachsen ist. „Wir haben schon 850 000 Euro gesammelt“, geht Margarete Over auf die Finanzierung ein, zu der neben Eigenmitteln, Spenden und (privaten) Direktkrediten 2,2 Millionen Euro an Bundesmitteln gehören, die im Rahmen der Forschungsinitiative ZukunftBau für das „Variowohnen“ zugesagt wurden. Das Leben hier soll „basisdemokratisch“ organisiert werden. „Kritische Diskussionen schärfen unseren Blick“, heißt es in einer Broschüre, mit der für das Wohnprojekt geworben wird. An den ersten drei Stationen, an denen das Probezimmer Halt machte, habe man viele positive Reaktionen eingefangen, berichtet Doktorandin Meier. „Suffizienz“ ist das gewählte Leitwort: Nicht im Überfluss, sondern nachhaltig soll das Leben im CA gestaltet werden. Architekt Hans Drexler plant und baut die Gebäude auf der Konversionsfläche. Im Dezember 2017 gab es die Baugenehmigung. „Ende 2019 muss das Haus fertig sein“, betont Lachauer mit Blick auf die Förderbedingungen, die auch definieren, dass es zehn Jahre lang für einen speziellen, Bildungseinrichtungen nahen Nutzerkreis reserviert ist. Etwa 300 Euro warm sollen die künftigen Bewohner pro Zimmer zahlen. Der „Demonstrator“ selbst zahlt keine Miete, trotz der zentralen Lage nur wenige hundert Meter vom Hauptbahnhof und direkt an der Straßenbahnlinie gelegen. Das Gelände, auf dem er steht, gehörte früher zur Hauptverwaltung der Heideberger Druckmaschinen.

Der Immobilienentwickler Epple hat das insgesamt fast 16 000 Quadratmeter große Areal zwischen Römerkreis, Bahnhof und Stadtwerken gekauft. Bis feststeht, wie es städtebaulich entwickelt wird, gibt es eine Zwischennutzung der Kreativwirtschaft, wie Sprecher Herbert W. Rabl erklärt. So finden beispielsweise im ehemaligen Pförtnerhaus, das nun „FensterPlatz“ heißt, Ausstellungen und Konzerte Platz.

Form von Quartiermanagement

„Davon profitieren alle“, betont Rabl: Das Unternehmen hat keine leerstehenden Gebäude und junge Unternehmensgründer und „Impulsgeber“ belebten – vorübergehend – nicht nur den ehemaligen Firmensitz, sondern übten gleichzeitig die Funktion eines „Quartiermanagements“ in dem Viertel Bergheims aus, das sich in den kommenden Jahren sehr stark verändern wird. „Wir wünschen uns, dass noch mehr Unternehmen den Mut dazu haben“, fügt Rabl hinzu.

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