Heidelberg

Wissenschaft Laureate Forum tagt in Heidelberg / Renommierte Wissenschaftler kommen ins Gespräch

Kontakte dienen der Inspiration

Archivartikel

Heidelberg.Mit wem man es zu tun hat, bekommt man von vornherein durch die Farbe des jeweiligen Namensschilds vor Augen geführt: Gelb steht für Journalisten, Orange für Blogger. Doch die Farben, denen beim Laureate Forum in Heidelberg die größte Bedeutung zukommt, sind Grau und Rot: junge Wissenschaftler und Laureaten - also preisgekrönte Forscher.

Die meisten Menschen seien sich dessen nicht bewusst, dass der Nobelpreis die Disziplinen Mathematik und Informatik gänzlich ausschließt, erklärt Pressesprecherin Christiane Schirok. Dafür gebe es fünf andere Auszeichnungen, die eben diese Wissenschaftler auf gleichem akademischen Niveau wie der berühmteste aller Forschungspreise ehren. Als Beispiele seien der Abel-Preis (Mathematik) oder der Turing Award (Informatik) genannt. Das Laureate Forum soll Wissenschaftlern dieser Disziplinen Kontaktmöglichkeiten bieten.

Akademische Rockstars

Dass die Preisträger im Forum gefeiert werden wie weltberühmte Rockstars, ist für Jan David Smeddinck, einen der sogenannten "Young Researcher", also jungen Forscher, nicht ungewöhnlich. Auch nicht, dass sich, sobald irgendwo ein rotes Namensschild aufblitzt, sofort eine Menschentraube um die Person schart, die es trägt. "Wann bekommt man denn schon einmal die Chance, sich mit solch renommierten Wissenschaftlern zu unterhalten?", fragt er. Smeddinck ist Informatiker oder wie er sagt: "Computer Scientist". Tätig ist er insbesondere im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion. Wie wirken Technologien, wenn Menschen sie benutzen? Welche Auswirkungen hat das auf das Leben und die Zukunft?

Die Zukunft ist das omnipräsente Stichwort. Denn ein Laureate Forum wäre kein Laureate Forum ohne ein ganz bestimmtes Thema, das die gesamte Tagung umfasst. Und in diesem Jahr lautet es "Quantum Computing". Eine andere Form der Rechenleistung, die irgendwann einmal von hoher Relevanz sein soll.

Zukunft also - denn noch hat es kein Mathematiker oder Informatiker geschafft, einen Quantencomputer tatsächlich nutzungsbereit zu entwickeln. Ob es je dazu kommt, bleibt ungewiss. Wie es die Zukunft, gerade in der Wissenschaft, so an sich hat: Sie ist das Ungewisse, das Unvorhersehbare. Aber eben auch Inspiration und Motivation. Und das brauche man, wenn man Forscher sei, findet Smeddinck. Für ihn ist gerade dieses Forum die pure Inspiration. Man bekomme hier - anders als bei üblichen Konferenzen - den Raum und vor allem die Zeit, mit vielen Wissenschaftlern in Kontakt zu treten. "So entstehen Ideen", sagt der Mann, der an der Universität in Berkeley, Kalifornien lehrt.

Wenige Vorträge, viel Freizeit

Es gehe um Gespräche und Interaktion, sagt Julia Eberhardt, die in der Stiftung für die jungen Forscher und internationalen akademischen Beziehungen zuständig ist. "Und manchmal muss man die Leute geradezu aus ihren Gesprächen herausreißen, wenn es im Programm weitergeht. Sie hören einfach nicht auf zu reden", lacht sie. Genau deshalb sei das Rahmenprogramm so gestaltet, dass es vergleichsweise wenige Vorträge und stattdessen viel Freizeit, Kaffeepausen und Exkursionen gebe.

Auch Menschen, die dieser Veranstaltung nicht beiwohnen, sollen das Forum, zumindest online, verfolgen können. Deshalb sind die meisten Vorträge und Diskussionen auch über Live-Stream oder in einer Mediathek einsehbar. Damit die entstandenen Kontakte auch in - der immer noch allgegenwärtigen - Zukunft bestehen können, arbeitet die Stiftung im Moment an einem Netzwerk.