Heidelberg

Verkehr Gewerkschaften in Heidelberg drängen auf Ausbau von Straßen, bessere Busfahrpläne und intelligente Leitsysteme

Konzept für Pendler gefordert

Archivartikel

Heidelberg.Nervtötende Staus, Verspätungen am Arbeitsplatz und schlechte Luft – wie in vielen deutschen Städten ist das Thema Verkehr auch in Heidelberg ein Dauerbrenner. Nun haben sich die Gewerkschaften zu Wort gemeldet. Sie forderten pragmatische Lösungen für Tausende Beschäftigte, die täglich in den engen Straßen unterwegs sind. Vor allem mit Blick auf das Neuenheimer Feld sei die Verkehrssituation für Pendler schwierig.

„Wir wollen mit der Stadtverwaltung, aber auch mit Parteien und Arbeitgebern ins Gespräch kommen“, sagte Mirko Geiger in Heidelberg. Gemeinsam mit Betriebs- und Personalräten, die sich vor allem in wissenschaftlichen Instituten aus dem Neuenheimer Feld engagieren, forderte der Geschäftsführer der IG Metall schnelle Lösungen, frei von „ideologischen Scheuklappen“.

Zwar, so sagte Geiger, gebe es langfristige Pläne. Allerdings könne man nicht noch 20 Jahre warten, bis eine spürbare Entlastung der Verkehrssituation einsetze. Vor allem die steigende Zahl von Pendlern mache deutlich, dass dringender Handlungsbedarf bestehe. Nach Angaben des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) strömten im vergangenen Jahr täglich etwa 63 000 Pendler aus dem Umland nach Heidelberg. Noch im Jahr 2000 kamen „nur“ etwa 49 000 Menschen täglich zum Arbeiten in die Universitätsstadt.

Fachkräfte abgeschreckt

Da sich die Arbeitnehmervertreter bei der Diskussion um eine sinnvolle und ökologisch vertretbare Verkehrspolitik bislang eher als Außenseiter sehen, habe man das Positionspapier „Gute Wege für Heidelberg“ verfasst. Die genannten Ideen reichen vom Ausbau maroder Straßen, Brücken und Schienen bis zu weiteren Verbesserungen für den Radverkehr sowie die Einführung intelligenter Verkehrskonzepte.

Angesichts der hohen Pendlerströme soll gemeinsam mit anderen Kommunen vor allem die Luftqualität in der Region verbessert werden. Ein Ziel, das eher langfristig zu erreichen sein dürfte. Den Gewerkschaften gehe es um Ideen, die kurzfristig für Erleichterung sorgen, sagte Thomas Wenzel, DGB-Kreisvorsitzender Heidelberg/Rhein-Neckar.

Verkehrspolitik ist in Heidelberg ein mühseliges Geschäft. Die Stadt bietet an vielen Stellen schlicht zu wenig Platz, um den Verkehrsfluss durch den Ausbau des Straßennetzes zu verbessern. Daher nehmen die Arbeitnehmervertreter vor allem den Öffentlichen Personennahverkehr in den Blick. So müssten die Bustouren zeitlich besser an die Arbeitszeiten – etwa im Schichtdienst – angepasst werden, forderte Ralf Kiefer, Personalrat des Uniklinikums. Brigitta Martin, Personalrätin der Universität, wies darauf hin, dass die Situation während der Sommermonate noch erträglich sei. Allerdings beginne im Spätjahr – wenn weniger Radfahrer unterwegs sind und Tausende Studenten in das Wintersemester starten – die heiße Phase.

Konkret prüfen will man etwa, ob Park-&-Ride-Parkplätze in Dossenheim oder im Süden Heidelbergs mit Buslinien ausgestattet werden können. Auf diese Weise könnten die Arbeitnehmer schneller und bequemer ins Neuenheimer Feld gelangen. Die Gewerkschaften wollen auch über den Zubringer Nord sprechen, bei dem ein zusätzlicher Weg zur Arbeit über das Handschuhsheimer Feld führen würde. Entlastung schaffen könnten aus Sicht der Arbeitnehmervertreter außerdem intelligente Verkehrsleitsysteme, die stärker auf wechselnde Bedürfnisse im Stadtverkehr ausgerichtet sind.

Auch eine Brücke über den Neckar sei eine Option, wenn auch eine eher langfristige. Durch ein solches Bauwerk wären die Institute der Universität sowie die Kliniken im Neuenheimer Feld besser erreichbar, so das Argument der Gewerkschaften. Auch das Land fordert seit langem eine solche „Neckarquerung“. In der Heidelberger Bevölkerung gehen die Meinungen dazu allerdings auseinander.

Auch der Wirtschaftsstandort Heidelberg stehe auf dem Prüfstand, sagte Mirko Geiger. Zwar freue man sich momentan noch über eine wachsende Zahl von Arbeitsplätzen am Neckar. Gleichwohl müsse die Infrastruktur an die Gegebenheiten angepasst werden. Dass die Verkehrssituation sogar Fachkräfte abschrecken könnte, fügte Michael Barton hinzu. Der Betriebsratsvorsitzende des im Neuenheimer Feld angesiedelten Springer-Verlags sagte, es hätten sogar schon Mitarbeiter gekündigt, da die Fahrt zur Arbeits zu nervenaufreibend gewesen sei.

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