Heidelberg

Mobilität Fördergelder aus Verkehrsministerium für City-Logistik-Konzept fließen nicht wie erwartet / DPD-Paketdienst legt vor

Land bremst Lastenräder aus

Heidelberg.Elektrische Lastenräder statt Lieferwagen – die Stadtverwaltung hatte die Vision einer emissionsfreien Paketauslieferung in der Altstadt. Und dennoch: Für das sogenannte City-Logistik-Projekt fließt vorerst kein Geld vom Land. Die Landesregierung hatte eine Förderung in Höhe von 750 000 Euro in Aussicht gestellt. Das wäre ein Großteil der Million gewesen, die für das Pilotprojekt veranschlagt war.

„Die Idee zum Projekt City-Logistik entstand 2018 im Rahmen von Gesprächen mit dem Verkehrsministerium“, so eine Pressesprecherin der Stadt. Gemeinsam mit den Universitäten Nürnberg und Kaiserslautern nahm die Stadt daraufhin das Vorhaben in Angriff. Das Ziel: weniger Paketautos in der Heidelberger Altstadt und eine auf andere Städte übertragbare Vorlage für die sogenannte letzte Meile im Lieferverkehr.

City-Logistik sieht vor, die Pakete am Rande der Altstadt in Mikrodepots zu sammeln und dort für die restliche Strecke auf Lastenräder umzuladen – für alle Paketdienste. Der erhoffte Vorteil: Die Anzahl der Fahrten unterschiedlicher Kurier-, Express- und Paketdienstleister könnte reduziert werden. Auch die Universität hätte das System für ihre Botengänge nutzen können. Eine Digitalplattform sollte die Lieferströme steuern.

Den Eigenanteil der Stadt in Höhe von 250 000 Euro hatte der Gemeinderat bereits im Juli 2018 bewilligt. Grund für Zuversicht auf Förderung habe es laut Sprecherin gegeben: Das Verkehrsministerium habe signalisiert, dass ein solches Projekt förderfähig sei.

Absage trotz Umweltpreis

Den Bundesumweltpreis in Höhe von 16 000 Euro gewann City-Logistik im Dezember 2018. Gleichwohl: Die Bewerbung auf Fördermittel lehnte das Land im selben Monat ab.

Damals hatten sich das Amt für Verkehrsmanagement und das Amt für Liegenschaften bereits über mögliche Standorte für Umschlagplätze ausgetauscht, so die Pressestelle der Stadt. Trotz der Förderabsage ruhen die Bemühungen der Stadt nicht. Lediglich den Projektauftakt habe man zeitlich nach hinten verschoben. Die Stadt nehme weiterhin an Kongressen teil und stehe im Austausch mit anderen Kommunen. Um die Finanzierung – den „Dreh- und Angelpunkt“ – doch noch zu ermöglichen, bewerbe man sich auf aktuelle Ausschreibungen von Bund und Land.

Abgesehen von der Finanzierung offenbaren sich aber noch weitere Stolpersteine: An die Ausgestaltung der Zustellungskonzepte würden Stadt und Paketdienstleister „unterschiedliche Anforderungen“ stellen, so die Sprecherin. „Wir sind optimistisch eine Lösung zu finden, die möglichst alle Paketdienstleister an einen Tisch bringt“, teilt sie mit.

Während der Stadt vorerst die Hände gebunden sind, übernehmen andere: Velocargo Heidelberg beliefert seit Anfang Februar die Altstadt als Partner des Paketdienstes DPD – mit zwei elektrifizierten Lastenrädern. Fraglich ist, ob das still gelegte Projekt City-Logistik durch die „dezentrale“ Entwicklung in noch weitere Ferne rückt. Die Stadt teilte gegenüber dieser Zeitung mit, sie sehe gegenwärtig keinen Nachteil durch den Vorstoß des DPD.

Die Logistikunternehmen DPD und UPS wurden nach eigenen Angaben von der Stadt noch nicht für das City-Logistik-Projekt angefragt. Eine gemeinsam genutzte Infrastruktur in der Innenstadt könnten sich beide prinzipiell vorstellen – das Lastenradprojekt für alle Paketdienste sehen sie jedoch kritisch: „Eine Konsolidierung führt nicht zu einer verringerten Zahl der Fahrzeuge“, so ein DPD-Sprecher. Die aktuell eingesetzten Lastenräder seien bereits ausgelastet.

„Operationen getrennt halten“

Auch UPS möchte die Operationen auf der letzten Meile getrennt halten – „aus Wettbewerbs- und Dienstleistungsgründen“, so ein UPS-Sprecher. Die Logistik-Anbieter würden sich besonders bei der letzten Phase der Auslieferung unterscheiden. Auch UPS plane momentan den Einsatz von Lastenräder in der Heidelberger Innenstadt. Aktuell suche man nach einem Ort für ein Mikrodepot.

Ein Sprecher von Deutsche Post DHL verweist hingegen auf erste gemeinsame Gespräche mit der Stadt, die „demnächst“ stattfänden. Der Kontakt zwischen der Stadt Heidelberg und dem Unternehmen bestehe erst seit Oktober 2019. Der Paketdienst Hermes äußerte sich am Mittwoch nicht zum Projekt.

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