Heidelberg

Soziales Neue Organisation betreut zukünftig mehr als 600 geistig Behinderte in unterschiedlichen Lebenslagen / Kaufmännische Leitung war längere Zeit vakant

Lebenshilfe Mannheim fusioniert mit Schwetzingen

Mannheim/Schwetzingen.So etwas kommt oft bei Menschen vor: „Amor hat gewirkt. Erst haben wir uns in guter Nachbarschaft geholfen, und daraus wurde mehr“, sagt Kristina Funk augenzwinkernd – denn sogar eine Ehe soll entstehen, nun eine Vereins-Ehe. Die von Funk als Vorstand geführte Lebenshilfe Region Schwetzingen-Hockenheim und die Lebenshilfe Mannheim wollen fusionieren und gemeinsam geistig Behinderte im Alltag unterstützen.

Damit entsteht eine Organisation mit 350 hauptamtlichen und über 300 ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern, die „mit vereinten Kräften noch mehr Lebenshilfe in unsere Region bringen“, so Funk. Sie betreuen dann mehr als 600 geistig Behinderte in integrativen Kindergärten, Wohnheimen, Außenwohngruppen, als ambulanter Dienstleister mit Freizeit-, Reise- und Familien-Unterstützungs-Angeboten sowie mit Inklusionskräften, die in Kindergärten, Horten und Schulen tätig sind.

Zusammenschluss Mitte 2020

Wenn die Mitgliederversammlungen beider Vereine im – wegen der Corona-Pandemie – schriftlichen Verfahren zustimmen, soll der Zusammenschluss Mitte 2020 wirksam werden. Dabei löst sich der 1961 gegründete Mannheimer Verein auf, weil so Grunderwerbssteuer vermieden wird. Die 1963 gegründete Schwetzinger Lebenshilfe übernimmt sämtliche Einrichtungen und Arbeitsverhältnisse. Der neue Name soll „Lebenshilfe Mannheim-Schwetzingen-Hockenheim“ lauten. Vier Mannheimer Vertreter werden, so ist es vereinbart, in den Aufsichtsrat des Vereins einziehen.

Beim Mannheimer Verein ist schon länger die Position der kaufmännischen Leitung vakant. Das sei „einer der Hauptgründe“ gewesen, so Nicolai Russ, Vorsitzender des Vorstands der Mannheimer Lebenshilfe, mit den Schwetzinger Kollegen ins Gespräch zu kommen. Zunächst habe man wegen einer vorübergehenden Unterstützung angefragt, „und dann sind wir immer näher zusammengewachsen“, so Russ: „Wir haben gemerkt, dass wir gut zusammen passen, vorhandene Ressourcen gemeinsam besser nutzen und uns für die Zukunft besser aufstellen können“, so der Mannheimer Arzt.

Aus einem Rundbrief an die Mannheimer Mitglieder ist aber auch zu entnehmen, dass es dort „eine schwierige wirtschaftliche Entwicklung“ gebe und man einfach nicht die Größe habe, sich unter all den anderen freien Trägern auf Dauer allein zu behaupten. „Unser Selbstverständnis ist gleich“, betont Kristina Funk. Die Wurzeln beider Vereine seien schließlich jeweils Selbsthilfegruppen von Eltern, die plötzlich damit konfrontiert seien, ein geistig behindertes Kind zu haben. Dieses Schicksal verbinde bis heute viele der Vorstände beider Vereine. „Jeder für sich ist gut aufgestellt, aber gemeinsam sind wir einfach stärker und es kann mehr Geld zu den Menschen fließen“, argumentiert sie.

Widerstand bei den Mitgliedern gegen die Auflösung des Vereins erwartet Russ nicht: „Was ich bisher an Rückmeldungen habe, erkennen das alle als richtigen und notwendigen Schritt“, so der Vorsitzende.

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