Heidelberg

Pop Rapper Dendemann in der ausverkauften Heidelberger Halle 02

Lichtgestalt im Schattental

Fast scheint es, als hätte die Hip-Hop-Welt den Atem angehalten – beinahe neun Jahre lang. Bis der Knoten geplatzt ist, bis Dendemann nach langer Tonträger-Pause sein neues Album namens „Da nicht für!“ veröffentlicht hat, um damit ein ganzes Genre von den Plattitüden und Banalitäten, den abgeschmackten Selbstumkreisungen, die es immer wieder heimgesucht hatten, zu erlösen. Zumindest beschleicht uns dieser Eindruck, bald nachdem Dendemann die Bühne in der mit 1200 Besuchern ausverkauften Heidelberger Halle 02 betreten hat, wo er zusammen mit seiner Liveband eben jenen brandneuen Nummer-1-Langspieler ins Rampenlicht rückt.

„Zeit, um Stellung zu beziehen“

Aber wenn der 44-Jährige, den viele mit gutem Recht für einen der (wenn nicht den) besten Rapper und Reimeschmied des Landes halten, auch gleichsam eine musikalische Lichtgestalt ist, dann doch eine, die Schatten mit sich bringt – und ein profundes Maß an Wut: Die Sounds wabern und glimmen düster, die Beats und Bässe sind über weite Strecken dräuend und druckvoll, wie unter hohe Spannung gesetzt.

Und wenn Dendemann mit rauer Stimme rappt, es sei „Endlich wieder Zeit, um Stellung zu beziehen“ (in „Zeitumstellung“), dann hat das nichts Floskelhaftes, sondern atmet unbedingte Dringlichkeit. Wenn er in „Müde“ bekennt, er sei „Müde und in schlechter Verfassung wie Artikel 3 / Müde von den Rechten, den Faschos, den Naziparteien“, dann ist das nicht resignationsfördernd, sondern vielmehr aufrüttelnd. „Ja, unser Rückgrat ist stufenlos verstellbar“, konstatiert er in „Keine Parolen“ – aber dieser Abend mit Dendemann entfacht den Wunsch, etwas daran zu ändern und nicht länger „wie Maschinen lieber dienen als nachdenken“ zu wollen, wie es in „Menschine“ heißt.

Dazwischen präsentiert er Stücke seiner beiden Vorgänger-Soloalben, etwa das fabelhafte „Endlich Nichtschwimmer“, sowie in der Zugabe mit „Danke, gut“ und „Hand aufs Herz“ auch zwei Titel seiner vormaligen Hip-Hop-Formation Eins Zwo. Ein eindrückliches, ziemlich mitreißendes Konzert.