Heidelberg

Heidelberger Frühling I Anna Lucia Richter und Michael Gees

Makellose Stimme

Der erste musikalische Eindruck, nachdem man zum Nachmittagskonzert in der Alten Aula der Heidelberger Universität Platz genommen hatte: Die unglaubliche klare und ganz genau geführte Stimme von Anna Lucia Richter, die mit Benjamin Brittens „The trees they grow so high“ den Saal betrat.

Hohes Niveau

Es ist ein Konzert der anderen Art: Auf dem Programm stehen Schumanns Liederkreis opus 39, einige Lieder von Brahms und Britten sowie sogenannte Extempores über Texte Joseph von Eichendorffs – also Improvisationen Anna Lucia Richters und ihres Klavierpartners Michael Gees über vorgegebene Texte. Zu zweit zu improvisieren ist nun wahrlich nicht einfach, und bei allem Respekt vor der bemerkenswerten Einfühlsamkeit in den jeweils anderen: Eine gewisse musikalische Gleichförmigkeit dieser Extempores war nicht zu überhören.

Zum improvisatorischen Konzept gehörte auch, dass Schumanns „Liederkreis“ nicht zusammenhängend erklang, sondern immer wieder unterbrochen von anderen Kompositionen. Dadurch geht einerseits der inhaltliche Zusammenhang des Liederkreises verloren, dafür werden Zusammenhänge hergestellt, an die man vorher gar nicht dachte. Am allerwichtigsten aber: All dies fand auf einem exzeptionell hohen Niveau statt, pianistisch (Gees ist ein Stimmungszauberer auf dem Klavier), vor allem aber sängerisch: Anna Lucia Richter ist eine der großen Begabungen des Liedgesangs; sie kann aus Liedern kleine Szenen machen und sie dadurch wirklich gestalten. Vor allem aber ist es die Makellosigkeit dieser wunderbaren Stimme, die von diesem Konzert in Erinnerung bleiben wird. host