Heidelberg

Proteste „Black Lives Matter“-Demonstration am Samstag auf der Heidelberger Neckarwiese / Wie Diskriminierung im Alltag erlebt wird

„Manche Kommentare sollen nett sein“

Archivartikel

Heidelberg.Das Schicksal des durch einen amerikanischen Polizisten getöteten Afroamerikaners George Floyd bewegt weiter auch die Menschen in der Metropolregion – und richtet den Blick auf weltweiten Rassismus. Parallel zu einer Veranstaltung in Mannheim ist für den heutigen Samstag, 13. Juni, ab 14 Uhr auch eine „Black Lives Matter“-Demonstration unter dem Motto „Together we’re all in this“ auf der Heidelberger Neckarwiese geplant. Gibt es auch in der weltoffenen Stadt Heidelberg Rassismus und Diskriminierung? Eine Heidelbergerin sagt: „Leider ja“.

Nigerianische Eltern

Ob sie bei der Protestaktion dabei sein wird, vermag Florence Brokowski-Shekete aus Heidelberg noch nicht zu sagen – auch weil sie als Beamtin zur Neutralität verpflichtet ist. Doch der in Deutschland aufgewachsenen Tochter nigerianischer Eltern ist wichtig, dass nicht länger vor allem über das Problem Rassismus gesprochen wird – sondern mit den Betroffenen. Dass vergangenen Samstag in Mannheim 4000 Menschen ihre Solidarität bekundet und minutenlang regungslos auf dem Boden gelegen haben, hat die frühere Rektorin der Hilda-Werkrealschule Schwetzingen und aktuelle Schulamtsdirektorin „sehr gerührt“, gibt sie zu. Die weltweite Solidarisierung mit dem durch Polizeigewalt Getöteten beschreibt sie als „sagenhaft“.

Wie sieht Rassismus im Alltag aus? „Hier muss zwischen strukturellem und persönlichem Rassismus unterschieden werden“, beschreibt Brokowski-Shekete. „Habe ich den Eindruck, dass ich bei Behördengängen oder in Institutionen aufgrund meiner Hautfarbe anders behandelt werde, das merke ich dann, wenn man betont langsam mit mir redet, spreche ich das an. Höflich, aber direkt.“ Der Umgang von Männern und Frauen, so Brokowski-Shekete, sei in der Tat manchmal unterschiedlich, was durch die Genderproblematik verstärkt werden kann. Gemeinsam ist beiden eine manchmal distanzlose Übergriffigkeit, von verbal „Das Gelb stehe Ihnen besonders gut“, bis hin zu körperlich, wenn Menschen ungefragt in ihre Haare fassen. „Manche Kommentare sollen sogar nett oder gar witzig gemeint sein, sind es aber nicht.“ Auch wurde schon einmal gefragt, ob sie ein Urlaubsmitbringsel sei, „da fehlen mir dann schon die Worte.“ Wichtig ist Brokowski-Shekete bei diesen Situationen jedoch immer das gemeinsame Gespräch und die Zugewandtheit mit dem Ziel, eines gegenseitigen Perspektivwechsels. „Ich halte nichts davon, mit Aggressivität auf solche Dinge zu reagieren, sondern versuche meinem Gegenüber zu erklären, wie sich sein Verhalten für mich anfühlt.“

Wird dann in einer Gesprächssituation klar, dass Brokowski-Shekete Rektorin beziehungsweise Schulamtsdirektorin ist, könne der Ton recht schnell kippen – und „extrem devot“ werden.

Die in Hamburg geborene und aufgewachsene Pädagogin spricht akzentfrei Deutsch. „Das ist eine sehr scharfe Waffe“, hat sie gelernt. Wenn sie aber am Telefon mit Unbekannten spricht und diese Person später dann persönlich trifft, begegne ihr nicht selten Unsicherheit, Überraschtsein. „Ach, Sie sind das?“ sei eine gelegentliche Reaktion. Im Alltag erlebe sie aber doch vor allem wertschätzende Reaktionen. 

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