Heidelberg

Marihuana-Geschäfte in der elterlichen Wohnung

Archivartikel

Als die Drogenfahnder ihn im Mai aus dem Schlaf reißen, liegen rings um das Bett mehrere Spring- und Klappmesser und ein Teleskop-Schlagstock - und auf dem Teppich zwei Beutel mit zusammen gut 80 Gramm Marihuana: Weil er aus der elterlichen Wohnung in Heidelberg-Rohrbach gewerbsmäßig und unter Waffengewalt mit Drogen gehandelt haben soll, ist ein 24-Jähriger vom Landgericht zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Die Anklage wollte ihn sogar 5,5 Jahre ins Gefängnis schicken; Verteidiger Jens Klein bat um eine „milde Strafe“.

Sein Mandant wirkt nicht wie der typische Drogenkonsument, der immer tiefer in die Spirale aus Konsum und Beschaffungskriminalität hineingeglitten ist. Vielmehr hat der adrett wirkende Angeklagte aus geordneten Verhältnissen einen guten Schulabschluss vorzuweisen und sicher auch beste Chancen, eines Tages seine Wunschausbildung als Bürokaufmann abzuschließen. „Er konsumiert weder Alkohol noch Psychodrogen“ attestiert Gutachter Thomas Funk ihm weder eine Sucht- noch eine psychische Krankheit.

Der Angeklagte gestand ausführlich, aus dem ehemaligen Jugendzimmer heraus mit Marihuana gehandelt zu haben. Den Stoff habe sich von einem noch unbekannten Händler besorgt, den er vier Mal zwischen Januar und April an der Neckarwiese unterhalb der Ernst-Walz-Brücke getroffen habe, um jeweils „mindestens 30 Gramm“ in Empfang zu nehmen.

Testesteron in 82 Portionen

Im Keller des Wohnhauses fanden die Ermittler bei der Durchsuchung 82 Fläschchen und Ampullen mit Anabolika. Er habe sich selbst damit behandeln wollen, weil er imm er ein „dünner Hering“ gewesen sei, dann aber wegen der unabsehbaren Folgen für die Gesundheit davon abgesehen, berichtet der Heidelberger.

Die erste Marihuana-Zigarette habe er mit 16 Jahren gerauchte. „Das hat mir überhaupt nicht geschmeckt“, erinnert er sich. Der Gelegenheits-Lagerist konsumiert trotzdem ab dem Alter von 17 Jahren täglich mindestens einen Joint - nach der Schule, zum Chillen, allein.

Als sich sein chronisches Asthma verschlimmerte, habe ein Arzt ihm Cannabis in medizinischer Qualität verschrieben. Das habe sehr geholfen. „Ich habe es ohne Tabak geraucht.“ Doch die legalisierte Droge sei deutlich teurer gewesen als der Stoff aus dem Straßenhandel. Als er wegen der Corona-Pandemie seine Anstellung verlor, habe er sich das Marihuana aus der Apotheke nicht mehr leisten können. So sei er auf die Idee gekommen, sich auf dem Schwarzmarkt zu versorgen - und an Konsumenten aus dem Freundeskreis weiterzuverkaufen. Die Messer - darunter zwei Exemplare, deren Besitz gegen das Waffengesetz verstößt, weil ihre hervorschnellenden Klingen länger als 8,5 Zentimeter sind - habe er nicht gegen andere Menschen richten wollen. „Ich bin leidenschaftlicher Messersammler“, liefert er eine Erklärung, die ihm das Gericht abnimmt.

„Ich habe meine Lektion gelernt“, entschuldigt er sich mehrfach mit Reue. Nun muss der 24-Jährige nicht nur dieses Urteil absitzen: Er verstößt zudem gegen Bewährungsauflage eines Amtsgerichts-Urteils aus 2018, wie der Vorsitzende Richter Markus Krumme erklärt. Das hatte ihn zu einem Jahr Gefängnis verurteilt, weil er in der Heidelberger Innenstadt mit knapp 50 Gramm Marihuana erwischt worden war.

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