Heidelberg

Geburtstag Psychologe Rolf Verres wird heute 70 Jahre alt

Medizin mit Herz, Musik aus Leidenschaft

Archivartikel

Heidelberg.Er ist Wissenschaftler und Musiker, Therapeut und äußerst gewinnbringender Gesprächspartner: 22 Jahre hat Rolf Verres das Institut für Medizinische Psychologie am Heidelberger Universitätsklinikum geleitet. Dabei lag es ihm am Herzen, den Studenten mit auf den Weg zu geben, dass Medizin mit Gefühlen einhergeht und Kommunikation einen wichtigen Bereich der ärztlichen Arbeit bildet. Heute wird der emeritierte Ärztliche Direktor der Klinik 70 Jahre alt. Gefeiert wird das bei einem Symposium in der Alten Aula, bei der es auch um Liebe und lebendige Partnerschaft – eben um Gefühle und das Leben – geht.

Befreundet mit Konstantin Wecker

Musik ist eine große Leidenschaft des 1948 in Westfalen geborenen Wissenschaftlers, der 1968 an der Uni Münster das Medizin- und Psychologiestudium aufnahm und beide Studiengänge in Heidelberg beendete. Unvergessen ein „Zwei-Mann-Konzert“ in der Musik- und Singschule in Bergheim mit dem ein Jahr älteren Konstantin Wecker, bei dem beide Künstler gelassen gemeinsam musizierten und auf einer großen Couch über die großen Themen des Lebens philosophierten. Der Eine hat eine Drogenvergangenheit und spricht darüber bei medizinischen Kongressen. Der Andere ist Arzt, forscht unter anderem über süchtig machende Substanzen und deren Missbrauch – beide Männer verbindet eine lange Freundschaft.

Wenn Verres sich – daheim oder bei einer Veranstaltung – an einen Flügel setzt, scheint er ganz in sich abzutauchen. Seine Improvisationen nehmen den Zuhörer mit in einem Fluss, entfalten entspannende und vielleicht sogar therapeutische Wirkung. Seine wissenschaftlichen Thesen veranschaulicht Verres gerne mit ein paar Improvisationen am Klavier. „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ etwa kann er als „schwer depressive“, „zwanghafte“ sowie „schwer narzisstische“ Variation interpretieren.

Nachdem Verres 1977 in Heidelberg am Lehrstuhl für Arbeits- und Sozialmedizin promoviert und sich 1986 habilitiert hatte, übernahm er zunächst eine Professur in Hamburg. Doch er kehrte zurück nach Heidelberg, wo er am Klinikum der Universität von 1991 bis 2013 Ärztlicher Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Ordinarius für Psychotherapie und Medizinische Psychologie war.

Bücher gegen Aberglauben

Seine Publikationen richteten sich auch an interessierte Nicht-Mediziner, Aufklärung sollte dabei auch abergläubische Denkmuster auflösen, Grundlage seiner Ausführungen blieb immer die Wissenschaft. 2003 kam sein Buch „Die Kunst zu leben. Krebs und Psyche“ heraus, das sich kritisch mit der subjektiven Vorstellung von Laien und mit der Kommunikation von Arzt und Patient auseinandersetzt. 2006 erschien „Was uns gesund macht. Ganzheitliche Heilkunde statt seelenloser Medizin“ im Herder Verlag.

Ein weiteres Talent teilt Verres gerade im Kurpfälzischen Museum mit den Besuchern: In der Ausstellung „Menschen. Fotokunst aus der Sammlung Braus“ ist ein großformatiges Foto zu sehen, das Verres 1982 in Ecuador schoss. Es zeigt einen Straßenmusiker in Quito. Dem Verleger Günter Braus gefiel das Motiv so gut, dass er das Bild in seine Sammlung übernahm, zu der Arbeiten deutlich prominenter Fotografen wie Robert Häusser oder Jeff Mermelstein gehören. Verres kam durch ein Buchprojekt zum Thema Paartherapie auf einer Buchmesse zum Verlag und mit Braus ins Gespräch. Etwa 15 000 Fotos hat der Mediziner in seinem Archiv – 60 bis 70 davon von dieser Südamerikareise vor über 25 Jahren. Den Straßenmusiker hat er vor allem „wegen seiner Show“ abgelichtet, erzählt Verres: „Statt Saiten hatte er Bindfäden auf sein Instrument gezogen.“

Als in sich gekehrter „Showman“, jemand, der gerne andere unterhält, wird Verres selbst sicher auch weiter für kreative Überraschungen gut sein – und die Stadt mit umgarnenden Melodien verzaubern.