Heidelberg

Jugendbeteiligung Seit vier Jahren setzt sich Björn-Erik Lützen im Jugendgemeinderat für die Interessen Gleichaltriger ein

„Mir macht die Diskussion einen Heidenspaß“

Archivartikel

Heidelberg.Wer den 19-Jährigen-Jährigen Björn-Erik Lützen trifft, fühlt sich unwillkürlich an den CDU-Politiker Jens Spahn erinnert: Beide sind jung, Mitglied derselben Partei, zielstrebig und überlegen genau, wie sie ihre Vorhaben umsetzen können. „Der Vergleich passt, wobei Jens Spahn lange in der zweiten Reihe gehalten wurde. Das will ich nicht und werde es auch nicht“, meint Lützen.

Seit vier Jahren gehört er dem Jugendgemeinderat der Stadt Heidelberg an, im Dezember wurde er wieder in das 30-köpfige Gremium gewählt. „Unsere Aufgabe ist es, alle Heidelberger Jugendlichen gegenüber dem Oberbürgermeister und dem Gemeinderat zu vertreten“, erklärt der 19-Jährige. Sportplätze seien genauso ein Thema für den Jugendgemeinderat wie die vermüllten Neckarwiesen nach Feiern der Abiturienten. „Kommunal ist fast alles möglich für uns“, berichtet er.

Der Jugendgemeinderat sendet Vertreter in die Ausschüsse für Jugendhilfe, Sport, Verkehr und Kultur. Im letztgenannten hat Lützen in den vergangenen zwei Jahren die Anliegen der Jugendlichen eingebracht. Obwohl es die Interessenvertretung für Jugendliche in Heidelberg schon seit 2006 gibt, stoße das Engagement der Jugendlichen nicht bei jedem Kommunalpolitiker auf offene Ohren. „Es gibt Personen oder Gruppen, die uns Jungen unterstellen, keine Ahnung zu haben“, meint Lützen.

Arbeit über Parteigrenzen hinweg

Die Akzeptanz in dem Gremium müsse man sich erst erarbeiten, meint Lützen. Gerade ältere Gemeinderatsmitglieder achten darauf, welche Veranstaltungen man besucht und ob man in der Stadt präsent ist, sagt der 19-Jährige. „Wer sich so einen Ruf aufbaut, kann seiner Stimme Gewicht verleihen.“ Zu Veranstaltungen wie dem Tag der Arbeit am 1. Mai gehe er jedes Jahr, um ins Gespräch mit den Gemeinderäten zu kommen.

Wenn der Schüler der Willy-Hellpach-Schule von diesen taktischen Veranstaltungsbesuchen berichtet, wirkt er viel älter als 19 Jahre. Vielleicht liegt es daran, dass er in den kommenden beiden Jahren im Jugendgemeinderat ein „alter Hase“ sein wird: von den 30 gewählten Mitgliedern sind 25 neu. Das werde die Arbeit im Gremium verändern, prognostiziert der junge Mann. In den früheren Amtszeiten habe es mehr Kontinuität bei den Mitgliedern gegeben. Das mache den Ausgang der Entscheidungen unberechenbarer: „Bei der großen Politik weiß man, was kommt – hier nicht.“

Anders als der Gemeinderat ist der Jugendgemeinderat nicht parteilich organisiert. Einfach mit der Fraktion abstimmen sei deswegen nicht möglich, berichtet Lützen. „Auch wenn ich selbst in einer Partei bin, bin ich stolz darauf, dass wir im Jugendgemeinderat über die Parteigrenzen hinweg so gut zusammenarbeiten“, sagt der Gymnasiast.

Die Ausarbeitungen der Ausschüsse des Jugendgemeinderats werden dann in den alle sechs Wochen stattfindenden Sitzungen besprochen. „Man merkt, dass sich anfangs die Älteren zusammentun und längere Redebeiträge haben als neue Mitglieder“, berichtet Lützen. Auch seien die Gymnasiasten oft präsenter in der Diskussion als die Jugendlichen von anderen Schulen. Das gleiche sich jedoch im Lauf der gemeinsamen Amtszeit an, meint Lützen, der sich auch im Dachverband der Jugendgemeinderäte Baden-Württemberg engagiert.

Auch wenn er den Großteil seiner Freizeit für das politische Engagement opfert, ist Lützen auch nach vier Jahren noch mit Feuer und Flamme dabei. „Mir macht die Diskussion in der Ausschüssen und im Gemeinderat einen Heidenspaß und das Gefühl, etwas verändern zu können“, sagt er. In seiner vergangenen Amtszeit habe er unter anderem an den „Kulturleitlinien“ mitgearbeitet, die die Förderung junger Künstler erleichtern sollen, erzählt er. „Es war toll, dadurch viele Kulturschaffende und Engagierte kennenzulernen“, blickt er zurück.

Zwei Jahre hat Lützen Zeit, sich im Jugendgemeinderat weiter zu beweisen. In der Zeit will er sein Abitur machen und ein BWL-Studium aufnehmen. „Am liebsten in Mannheim, damit ich weiter in Heidelberg wohnen kann“, meint er. Bei der nächsten Wahl des Jugendgemeinderats ist Lützen zu alt, um wiedergewählt zu werden. Sein Ziel: „Ich will in den Heidelberger Gemeinderat“, sagt der 19-Jährige selbstbewusst. Und danach Berufspolitiker? „Direkt von der Uni in die Politik zu gehen, kann ich mir nicht vorstellen. Aber wenn sich irgendwann die Möglichkeit ergeben sollte, werde ich sie nutzen.“

Zum Thema