Heidelberg

Justiz Richter des Landgerichts befassen sich mit Klagen zu medizinischen Behandlungen

Missglückte Lidstraffung

Archivartikel

Heidelberg.Komplikationen bei einer Lidstraffung rechtfertigen nicht unbedingt die Zahlung eines Schmerzensgeldes und ein Schweine-Antibiotikum, das der Tierarzt einem Hund verabreicht, keine Arzthaftung: Das zeigen Beispiele aus den zivilrechtlichen Entscheidungen des Heidelberger Landgerichts.

Mit Schlupflidern hatte sich eine Frau 2015 in einer Heidelberger Klinik vorgestellt. Bei einer Lidstraffung würden, so hoffte sie, auch ihre Tränensäcke verschwinden. Der Eingriff wurde an beiden Augen vorgenommen. Doch bei der Kontrolluntersuchung diagnostizierten die Ärzte eine Schwellung der Bindehaut auf beiden Seiten und verordneten Augentropfen. Es dauerte etwa acht Monate, bis die Beschwerden der Patientin abklangen. Die Frau klagte auf Rückzahlung des Honorars für die Behandlung in Höhe von 4500 Euro und verlangte ein Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 5000 Euro. Das wies die Vierte Zivilkammer des Heidelberger Landgerichts ab. Ein Gutachten stellte keinen Behandlungsfehler fest. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen könne es passieren, dass bei der OP die Bindehaut gereizt werde. Die Patientin sei sicher hinreichend über solche Komplikationen aufgeklärt worden (Az.: 4 O 52/16).

Falsches Antibiotikum

Gegen den Verkäufer von „Kinesio-Tapes“ hat ein Wettbewerbsverein geklagt. Die Werbung mit der Aussage, die Tapes beseitigen erfolgreich Verspannungen, Zerrungen und viele Sportverletzungen, sei nicht wissenschaftlich belegt, begründete der Verein die Klage, der stattgegeben wurde. Bei gesundheitsbezogener Werbung, so die Richter der Handelskammer, gelten besonders strenge Anforderungen an die Richtigkeit der Slogans (Az.: 12 O 45/17 KfH).

Auch Streitigkeiten bei der Behandlung von Haustieren beschäftigen immer wieder die Juristen. In einem Fall hatte ein Tierarzt eine Collie-Mix-Hündin mit einem für Schweine und Rinder zugelassenen Antibiotikum (Cobactan) behandelt. Die Hündin erlitt am gleichen Tag im April 2014 einen allergischen Schock und starb etwa vier Monate später. Die Klägerin behauptete, der Vierbeiner habe aufgrund der falschen Medikamentengabe einen anaphylaktischen Schock erlitten, was zum Tod geführt habe. Sie selbst sei wegen der großen psychischen Belastung an Gürtelrose erkrankt. Die Kammer zog einen Fachtierarzt für Kleintierdermatologie zurate. Dann kam sie zu dem Ergebnis, dass die Behandlung der Leckdermatitis „den Regeln der tierärztlichen Kunst entsprochen“ habe. Zwar sei das Medikament nicht für Hunde zugelassen gewesen. Doch unter bestimmten Bedingungen sei die Umwidmung von Medikamenten „nach tierärztlichem Standard“ gestattet. Die Hündin habe schnell behandelt werden müssen und in der Praxis sei kein anderes, injizierbares Antibiotikum verfügbar gewesen. Außerdem sei der Hund nicht an dem Mittel, sondern an einer Hirnblutung verstorben (Az.: 4 O 92/17).