Heidelberg

Verkehrssicherheit Grundschüler machen in Heidelberger Weststadt mit Flugblättern Falschparker auf ihr Fehlverhalten aufmerksam

Mit „Denkzetteln“ zu mehr Bewusstsein beitragen

Archivartikel

Heidelberg.„Ich kann über die Autos drüberschauen, die Schüler aber nicht“, nannte Anja Nitsche gleich zu Beginn eine der größten Gefahren, die von falsch parkenden Autos gerade für Kinder ausgeht. Die Klassenlehrerin der 3 b an der Landhausschule in der Weststadt machte gestern Morgen mit einem guten Dutzend Jungen und Mädchen einen Spaziergang durch das Viertel bis zum Gaisbergweg, um nach Autos zu suchen, die an engen Kreuzungen anderen Verkehrsteilnehmern die Sicht versperren. Sobald sie einen Sünder fanden, hefteten sie ihm einen Zettel auf die Windschutzscheibe mit dem bestimmten Hinweis „Hier sieht keiner etwas!“.

Die Aktion mit dem Motto „Denkzettel“ war Teil des sogenannten Sicherheitsaudit, einem seit zwei Jahren dauernden Kooperationsprojekt der Stadt mit einem Entwicklungsbüro aus Wuppertal, in dem Gefahren im Straßenverkehr vor allem für Kinder und Senioren erkannt und beseitigt werden sollen. Dabei erhielten auch die Eltern der Schüler einen Fragebogen, um die Gefahren auf den Schulwegen aus ihrer Sicht zu benennen.

Sinnvoll nach den Sommerferien

„Es kommt auf Kleinigkeiten an“, wusste auch Schulleiter Udo Gärtner und zeigte dabei auf Bodenwellen, Metallpoller und Piktogramme auf den Straßen direkt vor dem Schulgelände, die Autofahrer zur Geschwindigkeitsdrosselung bringen sollen. Er begleitete die Klasse von Anja Nitsche genauso wie Verkehrs-Bürgermeister Jürgen Odszuck sowie Holger Schlechter als Einsatzleiter der Feuerwehr. „Ich bin selbst Anwohner und weiß, dass die Versuchung zum unerlaubten Parken groß ist“, beschrieb Jürgen Odszuck. Die „Denkzettel“ sollten daher zur Bewusstseinsbildung beitragen. Gerade jetzt, kurz nach den Sommerferien, sei das sinnvoll. Schlechter ergänzte, dass manche Falschparker auch die Anfahrtswege seiner Kollegen zustellten.

Am Treffpunkt auf dem Schulhof demonstrierte Andreas Wolff vom Gemeindevollzugsdienst, wie er und seine Kollegen mit einem Maßband überprüfen, ob ein Fahrzeug den vorgeschriebenen Abstand von fünf Metern bis zur Einmündung einhält. Wenn nicht, klemmen sie einen Hinweis zwischen die Scheibenwischer und dem Fahrer droht ein Bußgeld von bis zu 15 Euro. „Das schreckt aber kaum ab“, wandte er ein.

An der Einmündung der Bunsenstraße in den Gaisbergweg – dort, wo täglich viele Radfahrer aus der und in die Altstadt unterwegs sind, erkannte jeder auch ohne Maßband, dass der abgestellte schwarze Kleinwagen Abbiegern die Sicht nahm. Schnell zückte Odszuck einen der dunklen „Denkzettel“ und ließ ihn von den Kindern auf die Windschutzscheibe drücken. Zwar fanden sich etwas weniger Falschparker als erhofft, doch waren sich alle Beteiligten sicher, dass ihr Spaziergang seinen Teil zu mehr Verkehrssicherheit beitragen kann. hhf