Heidelberg

Sanierung Denkmalstiftung Baden-Württemberg fördert Balkonreparatur der Heidelberger Providenzkirche mit 50 000 Euro

Nur die Spitze des Kirchturms

Archivartikel

Heidelberg.„Wir sind sehr, sehr dankbar“, sagt Marlene Schwöbel Hug, Dekanin der Evangelischen Kirche Heidelberg – und es kommt vor irgendwo ganz tief drinnen. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg stellt 50 000 Euro für die Turmsanierung der Providenzkirche zur Verfügung. Geld, das die Evangelische Kirche, die Mühe hat, den Haushalt zu konsolidieren, sehr gut gebrauchen kann.

Seit Monaten ist die Kirche in der Hauptstraße hinter Gerüsten und Netzen versteckt. „Wir brauchten die Zeit, um sehr genau zu erkunden, in welchem Zustand die Bausubstanz ist“, bestätigt Martina Kleinbauer, Leiterin der kirchlichen Bauabteilung. Das Ergebnis der Analyse war recht niederschmetternd: Der Sandstein des Turmkranzes ist porös, Brocken drohten auf die belebte Fußgängerzone zu stürzen. Als Ursache wurden Fehler bei einer Sanierung vor etwa zwei Jahrzehnten ausgemacht: „Weil die Tropfkante verwittert war, hat man versucht, mit einer U-Schiene einen Ablauf zu installieren“, erklärt Kleinbauers Mitarbeiterin Britta Wagner. Der Sandstein saugte aber die sich stauende Feuchtigkeit auf, die wechselnden Temperaturen gaben dem Stein den Rest.

Sandstein bröckelt

Es ist nicht die einzige Schwierigkeit auf der Baustelle, die bis Ende 2019 komplett abgeschlossen sein soll: Derzeit machen Lieferschwierigkeiten den Architekten zu schaffen. „Die Alte Brücke, das Karlstor und die Provindenzkirche sind aktuell allein in der Altstadt drei Denkmal-Großbaustellen“, seufzt Kleinbauer. Der Sandstein aus einem Steinbruch bei Eberbach wird mittels eines Außenfahrstuhls, der bis zu 1000 Kilo hieven kann, in den Turm hinaufgeschoben. In 26 Metern Höhe werden die maroden Teile und eine Metallverstrebung ausgetauscht. Allein der Turm verschlingt Sanierungsmittel in Höhe von 660 000 Euro. Bis zum Heidelberger Herbst Ende September soll der Turm fertig sein.

Doch auch die Dachkonstruktion mit Schiefereindeckung des Langschiffs muss repariert beziehungsweise ausgetauscht werden. 1,3 Millionen Euro kostet alles zusammen die Kirchengemeinde, die auf Zuschüsse der Landeskirche baut.

„Wer Stille sucht, geht in die Providenzkirche“, erklärt Gemeindepfarrer Vincenzo Petracca. Während die zweite Evangelische Kirche in der Altstadt, die Heiliggeistkirche, täglich von vielen Touristen frequentiert wird, gilt die Providenzkirche eher als ruhiger Zufluchtsort sowie als Konzertsaal. In Zukunft soll sie aber auch noch mehr mit Leben gefüllt werden, verspricht Pfarrer Petracca.

Nach dem Förderantrag im April habe er sich die Kirche genau angesehen, erzählt der Geschäftsführer der Denkmalstiftung Hermann Vogler. Rasch sei er überzeugt gewesen, dass das Geld hier gut angelegt sein würde. Denn gefördert würden Kulturdenkmale, die mit Inhalt gefüllt sind und damit eine Zukunft haben. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung 1985 über 1400 Projekte gefördert: „60 Prozent waren Anträge von Privaten, Fördervereinen und Bürgerinitiativen. “

Wie die Evangelische Kirche der Stadt hat auch die Denkmalstiftung Sorgen um die Entwicklungen auf dem Finanzmarkt: Das Stiftungskapital von 25 Millionen Euro wirft längst nicht mehr so viel ab wie noch vor ein paar Jahren.

Weniger Stiftungserträge

„Zum Glück bekommen wir inzwischen auch erhebliche Mittel aus der Lotterie Glücksspirale“, fügt der ehrenamtliche Geschäftsführer Vogler hinzu. „Auch bei unseren Stiftungen liegt der Ertrag nur noch etwa bei der Hälfte der Summe, verglichen mit dem Ergebnis vor elf Jahren“, bestätigt Schwöbel-Hug. Nicht nur, weil hier die älteste Kirchenorgel Heidelbergs steht, sei die Providenzkirche ein bedeutsames Kulturdenkmal. „Kirchen sind historische Gebäude, die wir nicht vernachlässigen dürfen“, weiß Schwöbel-Hug, Kirchen seien aber zudem auch „Plätze, an denen Leben stattfindet“.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/heidelberg

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