Heidelberg

Betriebshof-Diskussion Bürgerbegehren und engagierte Diskussion / RNV-Betriebshof soll nun am alten Standort saniert werden

Ochsenkopfwiese bleibt grün

Archivartikel

Eine Wiese mit altem Baumbestand oder ein moderner Betriebshof, der den ökologisch wichtigen öffentlichen Nahverkehr voranbringt? Für den Großen Ochsenkopf zwischen Wieblingen und Bergheim werden 2019 wichtige Weichen gestellt. Am Ende setzen sich die Vertreter der Bürgerinitiative (BI) „Rettet den Ochsenkopf“ durch – trotz eines nicht geglückten Bürgerentscheids.

„Ich hatte bis dahin noch nie von der Ochsenkopfwiese gehört“, bekennt der Bürgerbeauftragte Adolf Apfel in seinem öffentlichen Jahresbericht im Oktober. Vielen Heidelbergern mag es ähnlich gegangen sein. Spätestens im Sommer ändert sich das. Das Areal zwischen Bahnlinie, B 37 und der Siedlung Ochsenkopf ist im Flächennutzungsplan als Gewerbefläche ausgewiesen. Doch dort hat sich ein Park mit Bäumen entwickelt, der als Spaziermöglichkeit geschätzt wird.

Kampagnen von beiden Seiten

Im Frühjahr starten die BI auf der einen Seite sowie die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) auf der anderen ihre Kampagnen. Beobachtern kommt das wie ein Kampf David gegen Goliath vor. Im Juli dann der Bürgerentscheid: „Sind Sie dafür, dass auf der Wiese am Großen Ochsenkopf kein RNV-Betriebshof gebaut wird“ lautet die Fragestellung. Und es sieht zunächst nach einem Sieg von Goliath aus.

Von rund 110 000 Stimmberechtigten geben – zwei Monate nach der Kommunalwahl – 33 338 ein Votum ab. Zwar antwortet die Mehrheit von 19 020 Heidelbergern mit „Ja“ – und gegen den Betriebshof auf dem Ochsenkopf. Allerdings wird das nötige Quorum von 22 057 Stimmen nicht erreicht. Am 17. Oktober entscheidet sich der Gemeinderat dann aber mit 25 zu 24 Stimmen gegen den Standort Ochsenkopf – und hebelt damit den eigenen Beschluss vom Dezember 2018 aus. David trägt den Sieg davon.

Für überregionale Diskussionen sorgt dabei vor allem die Tatsache, dass eine Stimme vom Vertreter der Satire-Fraktion „Die Partei“ abgegeben wird. Björn Leuzinger kostet seine Rolle als „Zünglein an der Waage“ sichtlich aus, greift bedeutungsschwer vor der namentlichen Abstimmung zu einer Bierflasche, die er öffnet. Dann liest er ab, was im Kronkorken aufgedruckt zu sein scheint: „Ja“ für den Erhalt der Ochsenkopfwiese als Grünfläche.

Für die RNV bedeutet die Entscheidung, dass die Vorplanungen für den Neubau des Betriebshofs in den Papierkorb wandern und nun wahrscheinlich bei laufendem Betrieb am alten Standort in Bergheim saniert werden muss. „Wir sind zugegebenermaßen enttäuscht von der Entscheidung“, sagt Martin in der Beek, technischer Geschäftsführer der RNV, im Oktober. „Es ist ein schlechter Witz, dass ein Kronkorken das Zünglein an der Waage war. Eine ernste, für die Stadt und die Mitarbeiter der RNV so wichtige Entscheidung hat einen solchen Klamauk nicht verdient.“

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