Heidelberg

Gesundheit Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration, informiert sich in Heidelberg über Diagnostik von multiresistenten Keimen

Patientensicherheit im Blick

Heidelberg.Natürlich, auch die zukunftsweisende Energie-Zentrale mit Blockheizkraftwerken interessiert den grünen Minister beim Rundgang sehr. Doch ins Industriegebiet Rohrbach Süd hat Manfred Lucha ein anderes Thema gelockt: Wie kann man Antibiotikaresistenzen noch schneller auf die Spur kommen – und wie verbessert man auf diese Weise die Sicherheit der Patienten in baden-württembergischen Krankenhäuser? Gestern Nachmittag hat der Minister für Soziales und Integration einen der führenden Hersteller von Medizintechnik besucht – beim Unternehmen BD (Becton Dickinson GmbH) in der Heidelberger Tullastraße.

Als Minister, der für das Gesundheitswesen und für die Krankenhausversorgung verantwortlich ist, freue er sich, „nicht immer nur darüber zu diskutieren, welche Förderprogramme es gibt, sondern sich auch der Frage zu stellen, wie die Situation in den Krankenhäusern aussieht.“ Medizinprodukte und Diagnostik würden bei BD gemeinsam weiterentwickelt. Das sei der richtige Weg – und wert, gefördert zu werden. Das Unternehmen ist eine strategische Partnerschaft mit dem Heidelberger Universitätsklinikum eingegangen. Vor gut zwei Jahren wurde im Neuenheimer Feld eine vollautomatisierte Laborstraße in Betrieb genommen, in der täglich bis zu 900 Blut- und Abstrichproben von Patienten unter die Lupe genommen und ein Ergebnis ausgeworfen werden. Das geht deutlich schneller, als es bis dahin üblich war: Die Wartezeit wird auf einen Tag halbiert, danach steht fest, ob der Patient einen der gefährlichen Keime mit ins Krankenhaus bringt und isoliert mit besonderen Schutzvorkehrungen behandelt werden muss. „Das ist wertvolle Zeit für den Patienten und das Krankenhaus“, betont Unternehmenssprecher Eike Hiemesch.

BD-Europa-Präsident Roland Götte zeigte dem Minister das Unternehmen. Angefangen hat alles vor 120 Jahren mit der Entwicklung von Glas-Injektionsspritzen. Die Gründer Maxwell W. Becton und Fairleigh S. Dickinson entwickelten auch die ersten Insulinspritzen. Die Firma sei weltweit die erste gewesen, die sich der Versorgung von Diabetespatienten gewidmet habe, wie Silvia Hordenbol, Bereichsleiterin Life Science Diagnostics für Zentraleuropa, erzählte. 1972 wurde die deutsche Unternehmenstochter in Heidelberg gegründet. Hier arbeiten rund 460 Mitarbeiter.

„Das ist High Tech von hoher Qualität, hier werden spezialisierte Nährlösungen angeboten, um Bakterien nachweisen zu können“, zeigte sich Lucha sehr angetan von der Betriebsbesichtigung.

„Exzellent durchdacht“

„Das ist sehr wichtig für die Patientensicherheit und Hygiene im klinischen Bereich.“ Beeindruckt hat den aus Ravensburg stammenden Minister auch die „Fertigungstiefe“: Die Petrischalen, auf die die Nährlösung gegeben wird, werden per Spritzguss aus Plastik selbst von BD hergestellt. Das spare Transportkosten und schone die Umwelt. „Alles ist exzellent durchdacht und von hoher Qualität“, lobte Lucha. Patientensicherheit sei „das Thema schlechthin“: „Hier werden große Standards gesetzt.“ Neben der Erkennung von Keimen widmet sich das Unternehmen der Vermeidung von Arzneimitteltherapiefehlern. Stichwort Breitbandantibiotika. Eine Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen soll verhindert werden, indem sehr genau ermittelt werden kann, wogegen Resistenzen bestehen – und dann passgenau das richtige Mittel verordnen zu können.