Heidelberg

Prozess um brutalen Angriff in Heidelberger Poststraße: Richter verhängen Haftstrafen

Archivartikel

Im Prozess um den brutalen Angriff in der Heidelberger Poststraße hat die Jugendkammer des Landgerichts die vier Angeklagten zu Jugendstrafen zwischen zwei Jahren zur Bewährung und fünfeinhalb Jahren verurteilt. Der 18-jährige Hauptangeklagte hat sich nach Überzeugung der Richter des versuchten Totschlags schuldig gemacht, indem er in der Nacht des 19. August 2018 mehrfach wuchtig gegen den Kopf des 36-jährigen Opfers getreten hat. Er muss für fünf Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Viereinhalb Jahre in Haft muss ein ebenfalls 18-Jähriger, der das Opfer zu Fall gebracht hatte und ihm mindestens einmal ins Gesicht getreten haben soll. Er wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Ein 21-Jähriger erhält eine zweijährige Jugendstrafe auf Bewährung wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung. Das gleiche Strafmaß erhält ein 19-Jähriger wegen unterlassener Hilfeleistung.

Bereits am Vormittag hatten die Verteidiger plädiert. Rechtsanwalt Sebastian Siepmann forderte für seinen Mandanten, den 18-jährigem Hauptangeklagten, eine Jugendstrafe von maximal drei Jahren. Der 18-Jährige hatte bereits zum Prozessauftakt eingeräumt, aus Wut mehrfach auf den Kopf des Opfers eingetreten zu haben. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung vor dem McDonalds. Oberstaatsanwältin Kerstin Anderson hatte beim vergangenen Prozesstag sechs Jahre Haft wegen versuchten Totschlags gegen den Angeklagten beantragt. Siepmann war nun der Ansicht, sein Mandant sei von dem Versuch des Totschlags zurückgetreten, indem er von ihm abgelassen habe und geflüchtet sei.

Verteidiger Hans Auffenberg forderte für seinen Mandanten, einen 21-Jährigen, Freispruch. „Eine aktive Beteiligung war ihm in der Beweisaufnahme nicht nachzuweisen“, sagte er. Der 21-Jährige hatte vielmehr behauptet, den Haupttäter weggezogen zu haben, um Schlimmeres zu verhindern. Zwei Jahre auf Bewährung beantragte Rechtsanwältin Andrea Combé für einen 19-Jährigen wegen unterlassener Hilfeleistung. Auch ihm sei nicht nachzuweisen, dass er aktiv gegen das Opfer getreten habe.

Für einen 18-Jährigen, der das flüchtende Opfer mit einem Gehfehler zu Fall gebracht haben soll, forderte dessen Anwältin Britta Albiez eine Jugendstrafe von höchstens drei Jahren und sechs Monaten. Weitere Tritte gegen den Kopf des 36-Jährigen habe man auch ihrem Mandanten nicht mit Sicherheit anlasten können. Die Staatsanwaltschaft hatte für diesen jungen Mann vier Jahre und sechs Monate gefordert, für die beiden anderen Angeklagten jeweils zweieinhalb Jahre wegen gemeinschaftlicher gefährlicher Körperverletzung.

Ihre letzten Worte nutzten die Angeklagten für mehr oder weniger hölzerne Entschuldigungen an das Opfer. „Im Falle meiner Entlassung möchte ich dem Geschädigten eine Entschädigung zahlen, für mein Gewissen“, sagte der 21-Jährige. Er werfe sich vor, nicht den Krankenwagen gerufen zu haben und weggelaufen zu sein, obwohl er ja nicht zugetreten habe. Der 19-Jährige sagte, dass ihn die Ereignisse der Nacht bis heute beschäftigten. „In den zehn Monaten in Haft habe ich mir viele Gedanken gemacht und viel gelernt. Ich habe in meinem Leben genug Scheiße gebaut, das muss jetzt genug sein“, sagte er.

Bei dem Prozess hatten sich zunächst acht Angeklagte vor der Jugendkammer des Heidelberger Landgerichts verantworten müssen. Zuletzt waren jedoch die Verfahren gegen vier Jugendliche aus Geringfügigkeit eingestellt worden. (jei)

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