Heidelberg

Naturschutz Drei Heidelberger Vogelexperten nehmen am „Birdrace“ teil / In 24 Stunden möglichst viele Arten bestimmen

Rauf auf den Königstuhl, runter in die Kiesgrube

Archivartikel

Heidelberg.Es wird kein erholsamer Samstag für Sebastian Olschewski und seine beiden Mitstreiterinnen, das ist dem Naturbegeisterten klar. „Wir haben 24 Stunden, um möglichst viele Vogelarten im Stadtgebiet zu finden und zu bestimmen – und die nutzen wir auch voll aus“, erklärt Olschewski. Noch im Dunkeln werden sie starten, denn dann sind die meisten Vögel besonders aktiv. „Wir werden versuchen, zahlreiche gute Standorte mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Nahverkehr abzufahren, um erfolgreich zu sein. Also heißt es für uns rauf auf den Königstuhl und runter in die Kiesgrube beim Grenzhof“, erklärt Sebastian Olschewski den Plan des Heidelberger Teams.

177 Arten im Vorjahr

Beim bundesweiten sogenannten Birdrace (englisch für Vogelrennen), der bereits zum 15. Mal ausgetragen wird, rennen nicht etwa die Vögel – sondern engagierte Umweltschützer in Teams von zwei bis fünf Personen und versuchen, innerhalb eines Tages so viele Vogelarten wie möglich zu sehen oder zu hören. Dabei bewegen sie sich innerhalb bestimmter Grenzen einer Stadt oder einer Region. 177 Arten standen beim Siegerteam im vergangenen Jahr auf der Liste, mehr als 300 Gruppen waren bundesweit unterwegs.

Doch eigentlich geht es bei dem Rennen letztlich nicht um den Sieg, denn die Teilnehmer wollen mit der Aktion vor allem Spenden von Firmen oder Freunden für den Vogelschutz sammeln. „Diesmal geht es um den Unterhalt und die Betreuung des Internetportals ornitho.de, über das Vogelbeobachtungen zentral gesammelt und zu Naturschutzzwecken ausgewertet werden“, so Olschewski. „Auch Laien können dort sehen, welche Populationen es bei ihnen vor der Haustüre gibt.“ Pro beobachteter Art gibt es eine vorher vereinbarte Summe von den Spendern.

Das Team „Anser heidelbergänsis“ (Anser ist die Fachbezeichnung für Feldgänse, die sich auch im verballhornten Stadtnamen wiederfinden) besteht aus Sebastian Olschewski, Anja Betzin und Elisabeth Heigl. Alle drei haben schon seit ihrer Kindheit einen engen Bezug zur Umwelt. „Wir arbeiten heute alle im Naturschutzbereich, haben also unser Hobby zum Beruf gemacht“, erklärt Olschewski lachend. 2004 nahm er zum ersten Mal am Birdrace teil, es folgten Vogelrennen am Bodensee, in Bayern und an der Ostsee. „Die einzelnen Regionen in Deutschland sind natürlich sehr unterschiedlich, was ihre Vogelpopulationen angeht. Am Meer finden unsere Kollegen immer mehr Arten, als wir Heidelberger es jemals könnten. Dazu kommen seltene Exemplare, die nur in diesem speziellen Lebensraum vorhanden sind. Aber es geht uns ja um den Spaß und den guten Zweck“, sagt Sebastian Olschewski.

Dennoch haben die Organisatoren des Birdrace auf die ungleichen Wettkampf-Voraussetzungen reagiert: Seit 2007 gibt es die Sonderwertung „Singvögel“, um binnenländischen Teams eine gleichwertige Chance auf einen Titel zu geben. Und auch das Thema Umweltschutz wird bedacht: Teams, die ausschließlich umweltfreundlich – also meist mit dem Fahrrad – unterwegs sind, werden bei der Wertung hervorgehoben. „Spätestens mit dieser besonderen Kennzeichnung wird das Birdrace tatsächlich zum sportlichen Ereignis: Mehr als 100 Kilometer mit dem Fahrrad und zu Fuß erfordern schon ein gehöriges Maß an sportlicher Fitness – zumal man stets aufmerksam bleiben sollte, denn es zählen ja nicht die Kilometer, sondern die beobachteten Vogelarten“, teilen die Organisatoren vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (von „Avifauna“ als Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten) mit.

Hoffen auf Uhu und Schleiereule

Und auch rund um den Neckar gibt es zahlreiche Areale, die bei Vögeln beliebt sind: Von den Streuobstwiesen bei Rohrbach bis zum Anfang der Bergstraße bei Handschuhsheim können die drei Heidelberger Vogelkundler mit zahlreichen Treffern rechnen.

„Am Altneckar gibt es ganz andere Arten, als auf dem Königstuhl, das ist sehr spannend“, findet Sebastian Olschewski. Bis zur einsetzenden Dunkelheit wird er am Samstag mit seinem Team auf die Suche gehen – denn dann erst werden Uhu und Schleiereule aktiv.

Info: Informationen und Ergebnisse http://birdrace.dda-web.de