Heidelberg

Festival Nobelpreisträger Sir Paul Nurse eröffnet „Geist Heidelberg“ im DAI

Ritt durch die Geschichte

Archivartikel

Heidelberg.Näher kann man einem Nobelpreisträger kaum kommen: Rund 250 Gäste haben Freitagabend bei der Eröffnung des Internationalen Science-Festivals „Geist Heidelberg“ dem Briten Sir Paul Nurse im Deutsch-Amerikanischen Institut (DAI) Fragen stellen können. Noch bis 15. Dezember geben Experten aus Physik, Medizin und anderen Wissenschaftsdisziplinen Einblick in ihr Wissen. Auch weitere Nobel- sowie Pulitzerpreisträger sind dabei.

Der 70-jährige Biochemiker und Zellforscher hat den höchsten Wissenschaftspreis 2001 in der Sparte Medizin und Physiologie verliehen bekommen. Er hatte in Hefezellen ein Gen identifiziert, das für die Zellentwicklung und die Bildung spezieller Proteine (Cycline) eine besondere Bedeutung besitzt. Diese Erkenntnisse – die sein Kollege Tim Hunt wesentlich ergänzte – gaben neue Impulse für die Behandlung vom Krebserkrankungen.

Über sein Spezialwissen indes sprach Nurse in seiner Muttersprache an diesem Abend nicht – sondern unternahm stattdessen einen unterhaltsamen Ritt durch die Geschichte der Wissenschaft. Begann in der Vorgeschichte und mit der Frage: Wann entstand die Forschung? Schriftlich hat die Menschheit davon natürlich kein Zeugnis. Aber die Beobachtung der Natur, der Sterne am Himmel und der Fauna müssen wohl der Anfang der Wissenschaft gewesen sein. „Stundenlang schauen, beschreiben, zuordnen“: Eine kindliche Begeisterungsfähigkeit und Neugier hält Nurse für unabdingbar für einen erfolgreichen Wissenschaftler – „vielleicht sind manche von uns deshalb so kindisch“, machte er sich über sich selbst lustig.

Akademischer Überblick

Aristoteles, Archimedes, Galileo Galilei, Karl Popper: Jede bahnbrechende Erkenntnis habe die Welt verändert, begründete Nurse seine These von der „Wissenschaft als Revolution“. Jedem Erstsemester oder Abiturienten hätte dieser Abend ein gutes Fundament für den Start in die akademische Laufbahn geliefert.

DAI-Direktor Jakob Köllhofer ging bei der Begrüßung auf die zahlreichen Auszeichnungen ein, die der Brite außerdem bereits erhielt. Unter anderem ist er Mitglied der Royal Academie. Und natürlich konnte das Thema Brexit an diesem Abend auch nicht unerwähnt bleiben. Wissenschaft, betont Nurse, sei grenzüberschreitend und bedürfe einer freien Gesellschaft.

Am 9. November um 20 Uhr wird der nächste Nobelpreisträger zu Gast sein: Wolfgang Ketterle – er bekam den Preis im selben Jahr wie Nurse, aber für Physik – spricht über „Kälter als kalt.“

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