Heidelberg

Klimaschutz Heidelberg beteiligt sich zum ersten Mal an bundesweitem Wettbewerb / Bürger sammeln Kilometer für die Kommune

Schon 1400 Stadtradler

Archivartikel

Heidelberg.Die erste Bilanz für das Heidelberger Stadtradeln fällt positiv aus: „Wir sind sehr erfreut über die 1400 Teilnehmer, die jetzt in der zweiten Woche dabei sind. Das ist für einen Neuling doch ganz beachtlich“, findet der städtische Radverkehrsbeauftragte Jochen Sandmeier, der die Aktion koordiniert.

Die Unistadt mache zwar seit mehr als zehn Jahren bei der Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ mit, doch in diesem Jahr habe man zum ersten Mal aufs Stadtradeln gesetzt: „Da können nicht nur Berufstätige mitmachen, sondern auch Schüler, Studenten – einfach jeder, der gerne mit dem Rad fährt und für seine Stadt Kilometer sammeln möchte. Uns haben viele Bürger gefragt, warum wir da nicht dabei sind, Mannheim macht schon länger mit und auch Orte aus dem Rhein-Neckar-Kreis gehören zu den Teilnehmern“, sagt Sandmeier, der selbst mit strampelt. „Die Stadtverwaltung stellt mit 80 Mann übrigens das größte Team. Außerdem haben sich von 48 Gemeinderatsmitgliedern 19 angemeldet. Für Kommunalpolitiker gibt es sogar eine Sonderwertung“, berichtet der Hobbysportler.

„Wir glauben, dass man den Menschen viel über die Vorteile des Radfahrens erzählen kann. Am wirksamsten überzeugt man sie aber, wenn sie für 21 Tage einfach mal selbst aufs Rad steigen“, erklärt ein Sprecher des europäischen Städtenetzwerks „Klima-Bündnis“, das den Wettbewerb organisiert. Bis 10. Oktober gilt es, für seine Stadt so viele Kilometer wie möglich zu sammeln. „Die Ergebnisse zeigen, dass schon viele Menschen mit Fahrrad unterwegs sind und so ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Damit noch mehr Leute dauerhaft aufs Rad umsteigen, braucht es aber auch eine gute Radinfrastruktur, damit jeder sicher ans Ziel kommt“, so der Klima-Bündnis-Vertreter.

Sprung aufs Treppchen denkbar

„Deshalb gibt es beim Stadtradeln die Bürgerbeteiligungsplattform ,RADar‘. Hier können die Teilnehmer der Verwaltung Schlaglöcher, plötzlich endende Radwege oder eine unübersichtliche Verkehrsführung in einem digitalen Stadtplan melden. Dann ist es für die Verwaltung viel einfacher, die Infrastruktur zu verbessern.“ Zudem erfasse die Stadtradeln-App die gefahrenen Strecken und melde sie anonymisiert an die Technische Universität Dresden weiter, die die Daten auswertet. „Die Erkenntnisse – zum Beispiel wo wie viel und wie schnell gefahren wird oder wo der Radverkehrsfluss verlangsamt wird – können den Kommunen bereitgestellt werden“, so der Bündnis-Sprecher.

In Heidelberg sind nach Angaben von Sandmeier bereits 150 Hinweise eingegangen: „Oft geht es um Ampelschaltungen, schmale Radwege oder fehlende Querungen.“ Die Stadt habe bereits sehr viele gut ausgebaute Radwege, aber es gebe natürlich noch Optimierungsbedarf. „Die Altstadt ist auf einem mittelalterlichen Grundriss gebaut und in den engen Gassen wird es auch für Radfahrer schwierig, sagt Sandmeier. Er selbst radle jeden Tag von Kirchheim zur Arbeit. „Ich habe eine wunderschöne Strecke, ohne Autoverkehr und mit nur einer Ampel.“ Auf den problematischeren Strecken bessere die Verwaltung sukzessive nach. Aber oft fehle es an personellen Ressourcen, die Veränderungen auch umzusetzen.

Und welche Siegchancen rechnet sich Heidelberg aus? „So wie es jetzt angelaufen ist, könnten wir es in der Wertung ,bester Newcomer‘ durchaus aufs Treppchen schaffen“, denkt Sandmeier.

In der Städte-Wertung habe es Heidelberg dagegen schwer: „Wir müssen in der Kategorie 100 000 bis 500 000 Einwohner antreten und werden mit 160 000 Einwohnern am Ende vermutlich weniger Kilometer auf dem Konto haben als eine Kommune mit 500 000 Bürgern. Aber ums Gewinnen geht es ja eigentlich auch gar nicht“, betont der Experte. Mit dem Stadtradeln wolle man die Menschen langfristig aufs Rad bekommen. „Wenn man drei Wochen zur Arbeit radelt, gewöhnt man sich daran und merkt, dass es gar nicht so unbequem ist, wie man es sich vielleicht vorgestellt hat.“

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