Heidelberg

Pfaffengrund Energie- und Zukunftsspeicher der Heidelberger Stadtwerke hat zwei Drittel seiner Höhe erreicht

Schon ab April soll Wasser in den Stahlturm fließen

Archivartikel

Heidelberg.Die Wandhöhe von 30 Metern ist erreicht – und damit zwei Drittel der späteren Größe: Der neue Energie- und Zukunftsspeicher der Heidelberger Stadtwerke wächst im Stadtteil Pfaffengrund zu einem neuen Wahrzeichen heran. Rund zehn Millionen Euro investiert das Unternehmen in den Stahlturm, der Energie in Form von heißem Wasser speichern soll, wenn mehr Strom aus regenerativen Quellen produziert wird, als die Haushalte mit rund 40 000 Menschen gerade benötigen.

Weil der Winter so mild war, liegt die Baustelle nicht nur im Zeitplan, sondern wird voraussichtlich schon viel früher als zum Jahresende fertig, erklärt Projektleiter Heiko Faulhammer: „Wir wollen im April mit dem Befüllen beginnen.“ Dieses Prozedere dauere sechs bis acht Wochen.

„Großer Bruder“ in Mannheim

Der Heidelberger ist der „kleine Bruder“ eines Mannheimers: Während das Wärmedepot dort – ein 36 Meter hoher Stahlbehälter mit 40 Metern Durchmesser – aber ein wenig am Rheinufer „versteckt“ wird, soll der Heidelberger Turm eine „Hingucker-Fassade“ bekommen und zu einem neuen Symbol in der Stadt werden. „Er ist Teil eines Energie- und Bewegungsparks“, beschreibt Stadtwerke-Geschäftsführer Michael Teigeler.

Der Stahlturm bekommt eine netzartige Fassade, in der bewegliche Metallplatten wie große Pailletten eingesetzt werden. Der Berliner Tobias Walliser, Professor für Architektur in Stuttgart, hatte den Architekturwettbewerb für sich entschieden. In die Netzstruktur wird eine frei um den Turm schwebende, spiralförmige Treppe ins Obergeschoss führen, wo Gastronomie und Veranstaltungsraum entstehen. Wer nicht schwindelfrei ist, kann einen der beiden Aufzüge wählen.

800 Tonnen Stahlplatten werden für den riesigen Wasserkessel verbaut. Die zehn Meter langen, durchnummerierten und unten drei Zentimeter dicken Bauteile werden bereits gebogen angeliefert und nicht einfach per Kran aufgesetzt. Vielmehr schieben Hydraulikelemente die rostig roten Teile von unten nach. Während der Bauzeit dreht sich der gesamte Turm oberhalb dieser Einsatzstelle, beschreibt Faulhammer die besondere Bauweise, die ein bisschen an das Bauprinzip eines Schneckenhauses erinnert. Der Vorteil: Teure Kräne werden weitgehend eingespart.

Beim symbolischen ersten Spatenstich im Juli 2017 hatte der Stadtchef an den 1985 abgerissenen Gaskessel an derselben Stelle erinnert. Der Metallriese, der doppelt so dick war wie der neue Turm, ragte seit den 1950er-Jahren in den Himmel. „Ein Symbol für zurückkehrenden Wohlstand und die funktionierende Energieversorgung nach dem Krieg“, erklärte Eckart Würzner. Der neue Turm hingegen stehe für regenerative Energien und Zukunftslösungen. Wenn der Turm fertig und gefüllt ist, wird er sich noch einmal etwa zwei bis drei Zentimeter in die Erde absenken. Erst danach, betont Faulhammer, werden die Anschlüsse endgültig angebracht. Wie stark der Untergrund nachgeben wird, ist genau berechnet: „Sonst hätten wir hier bald einen schiefen Turm“, sagt der Projektleiter lächelnd.