Heidelberg

Jugendtreff CityCult In einem Workshop lernen Kinder und Jugendliche, Hip-Hop zu machen – jetzt haben sie ihre erste CD mit 18 Songs fertiggestellt

Schüler werden zu Musik-Produzenten

Heidelberg.Heidelberg gilt als die – oder zumindest eine der Wiegen des deutschen Hip-Hop. Anfang der 90er Jahre wurde der Rap von Heidelbergern in den deutschsprachigen Raum geholt. Jüngst wurde wieder die Forderung laut, ein Hip-Hop-Museum in der Stadt am Neckar einzurichten. Doch lohnt sich auch der Blick nach vorne, schließlich mangelt es auch an Nachwuchs nicht: Die Kinder und Jugendlichen des Altstadt-Jugentreff CityCult haben in dieser Woche ihre erste eigene CD veröffentlicht.

Seit fast 20 Jahren wird in dem Jugendzentrum Musik gemacht. In einem gemeinsam mit dem Hölderlin Gymnasium organisierten Workshop lernen die zehn- bis 19-Jährigen, was es braucht, um pointiert zu texten und gute Lieder zu machen. Sie lernen dadurch, ihre eigene Kreativität zu entfalten – und gleichzeitig konzentriert an einem Projekt zu arbeiten. „Meistens suchen wir uns die Melodien auf Youtube und schreiben dann die Texte dazu“, sagt Florian Schnepf. In den vergangenen fünf Jahren sind so rund 30 fertige Songs entstanden, schätzt der Leiter des Workshops – „und mindestens noch einmal so viele halbfertige, die dann wieder verworfen wurden.“ Nun haben die Schüler in Zusammenarbeit mit dem Jugentreff und dem Gymnasium die besten Songs auf einer CD veröffentlicht – das erste seiner Art.

Von witzig bis tiefgründig

18 Lieder enthält die Platte; sie tragen Titel wie „Pizza mit Käse“, „Sonnenbrille“ oder „Fassadenriss“ und erzählen aus dem Alltag der Kinder und Teeanger – „da ist alles dabei, von witzig bis tiefgründig“, sagt Schnepf. Neben dem 23-Jährigen, der selbst als MC Puls Musik macht und schon als Support mit Tony L. auf Tour war, gibt es noch drei weitere Rap-Workshop-Betreuer. „Alle sind bei uns sozusagen geschlüpft. Da sind wir sehr stolz drauf“, sagt CityCult-Leiter Markus Tiemeyer.

Bisher waren die Kurse immer in zwei Altersgruppen eingeteilt. „Weil der Leiter der Älteren aber gerade im Ausland ist, hat es sich ergeben, dass die Großen angefangen haben, mit den Kleinen zusammen Projekte zu machen. Es ist wirklich genial, was dabei herausgekommen ist“, findet er.

Unter anderem ist so der Song „McDonalds“ entstanden – als Kooperation eines 19-Jährigen mit einem Elfjährigen. „Wir haben einfach angefangen, ein bisschen Quatsch zu machen – und plötzlich ist ein geiler Song dabei rausgekommen“, ist Moritz Streif, der Ältere der beiden, stolz auf das Werk. Auch dieses Lied hat es auf die CD geschafft, die nun in einer Auflage von 250 Stück an Freunde und Familie verschenkt wird. „Verkaufen dürfen wir sie nicht, weil die Rechte für die Melodien nicht bei uns liegen“, sagt Tiemeyer. „Uns war es wichtig, ein Ziel zu haben, auf das die Kids hinarbeiten können.“ Florian Schnepf ergänzt: „Es ist einfach cool, dass wir jetzt so ein gesammeltes Werk haben mit allen Songs.

Zwar findet der Workshop im Tonstudio des CityCult statt, finanziert wird er jedoch vom Hölderlin-Gymnasium. „Wir arbeiten schon lange Jahre sehr gut zusammen“, sagt Lina Friedrich-Feier, Lehrerin an der Schule und für das Projekt mitverantwortlich. „Gerade für mich als Deutschlehrerin ist es cool, die Schüler auch mal anders zu hören“, sagt sie. „Ich finde es immer wieder aufs Neue faszinierend, was man alles aus Texten machen kann.“