Heidelberg

Schwer zu fassen

Die Tat im März am Neckarufer im Neuenheimer Feld hat die Öffentlichkeit erschüttert. Sieben Wochen nach der Attacke ist der mutmaßliche Täter festgenommen worden – in der Nähe des Tatortes. Bis dahin herrschte eine große Verunsicherung vor allem in der weiblichen Bevölkerung. Die Aufklärung der Tat ist von großem öffentlichem Interesse – genauso wie die juristische Aufarbeitung. Dass die Öffentlichkeit nun sogar bei der Urteilsverkündung ausgeschlossen werden soll, ist weder nachvollziehbar noch angemessen.

Natürlich. Der zur Tatzeit 18-Jährige und seine Familie bedürfen eines besonderen Schutzes. Außerdem geht es möglicherweise um intime Details. Dem steht aber auch die Schwere der Vorwürfe gegenüber: versuchter Mord aus Heimtücke und zum Verdecken einer Straftat.

Nicht zu fassen ist die Hauptbegründung der Vorsitzenden Richterin für den Ausschluss von Prozessbeobachtern: „Die Medien“ hätten sich vorab ein Foto vom Angeklagten besorgt und es auf der Titelseite veröffentlicht, ohne das Gesicht unkenntlich zu machen. Wenn das stimmt, haben einzelne Medienvertreter gegen ihren selbst gesetzen Kodex verstoßen. Das ist schändlich. Alle Journalisten aber auf diese Art in Sippenhaft zu nehmen und ihnen ihre Arbeit zu erschweren, ist nicht hinnehmbar.

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