Heidelberg

Brauchtum Heidelberger Karneval Komitee ehrt engagierte Mitglieder mit Sume-Orden / Perkeo übernimmt Amtsgewalt von Oberbürgermeister Eckart Würzner

Seltene Auszeichnung für Toni Jutt

Archivartikel

Heidelberg.Das Schönste an der Heidelberger Fasnacht ist ein Kuss von Perkeo. Thomas Barth, der in der gleichnamigen Karnevalsgesellschaft seit 20 Jahren in die Rolle des kleinwüchsigen kurpfälzischen Hofnarren schlüpft, war sich seiner Einschätzung sehr sicher und verteilte daher während der Verleihung des Sume-Ordens des Heidelberger Karneval Komitees (HKK) im Palais Prinz Carl außer dem kreuzförmigen goldenen Ehrenzeichen auch kleine Zärtlichkeiten – zumindest an die weiblichen Träger.

Mit dem Sume-Orden ehren die sechs im HKK als Dachorganisation zusammengeschlossenen Vereine seit 2005 engagierte Mitglieder. Zur diesjährigen Zeremonie traf man sich im Spiegelsaal des Palais am Kornmarkt. „Jeder Verein schlägt einen Kandidaten aus seinen Reihen vor“, erklärte der Schriftführer des HKK, Joe Schwarz. Er gehört ebenfalls zu den bisherigen Ordensträgern. Zum Auftakt marschierte Thomas Barth, begleitet von den Vorsitzenden der Mitgliedsvereine und mehreren Gardetänzerinnen, im rotblauen Rokokokostüm in die „kuschelige Stube“, wie Wolfgang Heindl als Präsident des HKK den Saal beschrieb. In seiner Hand hielt der Perkeo, der auch als Hüter des im 18. Jahrhundert gezimmerten, heute im Schlosskeller liegenden Riesenweinfasses gilt, einen großen Schoppen Rosé. Zudem galt es, acht Sume-Orden zu verteilen.

Die jüngste Trägerin war die elfjährige Julia Striffler vom Heidelberger Carneval Club Blau Weiß (HCC). Mit einer auswendig vorgetragenen Büttenrede landete sie beim Wettbewerb „Jugend in der Bütt“ in ihrer Altersklasse auf dem dritten Platz. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dort so weit komme“, erinnerte sie sich. Mit zweijähriger Verspätung erhielt der zweite Vorsitzende des HCC Michael Flock seine Auszeichnung. Ebenfalls zwei Orden gingen an die Ziegelhäuser Karneval-Gesellschaft (ZKG). Emma Mayer, die sich seit Jahren in der Tanzgarde und im Kerwestand einbringt, war über ihre Ehrung nicht informiert worden, was die Freude noch erhöhte.

Sebastian Weber jüngster Elferrat

Als Tanzenthusiast entpuppte sich auch der 24-jährige Sebastian Weber, der mit 18 als bisher jüngstes Mitglied in den Elferrat der ZKG gelangte und ein Männerballett mit ins Leben rief. „Damit treten wir bei unseren Prunksitzungen auf“, erklärte er. Je einen Orden erhielten Christian Huth von der Karnevalsgesellschaft Polizei Heidelberg (KPG) und Heike Bub-Merk von den Kurpfälzer Trabanten (KT). Weitere Sume-Orden gingen an Annalena Kasper, Reiner Steiger und Wolfgang Täubert, die wie Thomas Barth der Perkeogesellschaft angehören.

Komplettiert wurde diese Reihe mit einer selten vergebenen Auszeichnung, nämlich dem Sume-Orden mit Eichenlaub für Toni Jutt. Seit 52 Jahren ist sie aktives Mitglied der HCC und erhielt dort bereits „alle Orden, die man kriegen kann“, fasste Wolfgang Heindl in seiner Laudatio zusammen.

Zuvor hatte Oberbürgermeister Eckart Würzner den Rathausschlüssel aushändigen müssen. Im hellgrauen Anzug war das Stadtoberhaupt ebenfalls in ausgelassener Stimmung und hatte kein Problem, seine Amtsgewalt bis zum Faschingsdienstag symbolisch in die Hände des Perkeo zu legen.

„Ich würde mich gern weigern“, gestand dieser und formulierte als Entschädigung die Bitte, in vier Jahren in der neuen Stadthalle zu tagen, natürlich ohne Mietgebühren. Angst vor zu viel Verantwortung hatte Perkeo nicht, denn „schlechter kann es nicht mehr werden“, ließ er kein gutes Haar am derzeitigen Gemeinderat. Mit Musik und einem „Heidelberg, Hajo!“ klang der Abend aus.

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