Heidelberg

Signal aus Heidelberg: Klimaschutz braucht breites Bündnis

Archivartikel

Klimaschutz gelingt nur im engen Zusammenspiel von Bund, Land und Kommunen - bei der internationalen Klimakonferenz in Heidelberg haben Vertreter aller staatlichen Ebenen den Schulterschluss geübt. Nach Auffassung von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) liegt der Fokus im Kampf gegen die Erderwärmung auf den Städten. Sie seien für mehr als 60 Prozent des C02-Ausstoßes verantwortlich und verbrauchten 70 Prozent der global verfügbaren Energie. 2050 würden 70 Prozent der Menschen in Städten leben. "Sie sind Teil des Problems und wichtiger Teil der Lösung", betonte Schulze bei der "International Conference on Climate Action" (ICCA2019). Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) skizzierte ein düsteres Szenario, falls der Erderwärmung nicht konsequent Einhalt geboten werde.

Die Ergebnisse des zweitägigen Treffens von Klimaschützern aus aller Welt sollen in den UN-Klimagipfel im Herbst in New York einfließen. Es ist eine Abschluss-Resolution mit Signalwirkung geplant.

Die Bundesregierung werde 2019 zum Jahr des Handelns für den Klimaschutz machen, unterstrich Schulze. Sie nannte ein geplantes Gesetz für den vollständigen Ausstieg aus der Kohleverstromung bis spätestens 2038 und den Ausbau der erneuerbaren Energien. Das Ziel sei, die Erderwärmung nicht nur bei zwei Grad anzuhalten, sondern schon bei 1,5 Grad - gemessen am vorindustriellen Level. "Für einige Länder und für viele Millionen Menschen wird das einen existenziellen Unterschied machen."

Auch Ministerpräsident Kretschmann unterstrich die Schlüsselrolle der Kommunen beim Klimaschutz. Nationale Parlamente könnten Energiewende, Mobilitätswende, nachhaltiges Bauen und Wohnen anschieben. "Umgesetzt werden kann es nur vor Ort in den Regionen und Kommunen." Das Bundesumweltministerium nannte die Programme für Gebäudesanierung und Radwegeausbau als Beispiele für vom Bund geförderte kommunale Projekte.

Heidelbergs Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) lobte die Verzahnung der Akteure im Klimaschutz auf der Konferenz mit 700 Gästen. Dass alle an einem Strang ziehen, sei etwas Besonderes - "nicht typisch". Oft werden Konferenzen nur auf einer politischen Ebene, etwa auf der der Fachminister, und nicht übergreifend organisiert. Würzner sprach sich für eine C02-Abgabe oder einen "Planet future fonds" aus nach Schweizer Vorbild. Dort existiere bereits eine Abgabe auf den Verbrauch fossiler Brennstoffe, die in klimafreundliche Projekte fließe.

Bei der Konferenz stand der Erfahrungsaustausch zwischen den unterschiedlichen Ebenen und die Suche nach besten Beispielen im Vordergrund. Würzner nannte als Pioniere des Klimaschutzes neben Heidelberg mit der weltgrößten Passivhaussiedlung Barcelona mit Stromversorgung nur aus erneuerbaren Energien und Oslo mit seiner Umstellung auf E-Mobilitiät. Würzner resümierte: "Die Städte stellen sich der Herausforderung Klimaschutz.

Ministerpräsident Kretschmann warnte davor, den Klimawandel und seine Folgen zu unterschätzen. Wenn nicht entschieden gegengesteuert werde, sei mit naturwissenschaftlicher Gewissheit mit Hitzewellen, Wasserknappheit oder Ernteausfällen zu rechnen. "Mit Naturgesetzen kann man nicht verhandeln." Teile Mittel- und Südamerikas, Afrikas und Südasiens würden ohne sofortiges Handeln kaum noch zu bewohnen sein. Das sei extrem ungerecht, hätten doch diese Regionen am allerwenigsten zum Klimawandel beigetragen. Schließlich würde der Klimawandel zu Katastrophen, Kriegen und Flüchtlingsströmen führen.

Auch die jungen Besucher der Konferenz zeichneten ein düsteres Bild der Zukunft. Mitglieder der Bewegung "Fridays for future" sowie Besucher des "Youth Climate Summit" betonten, die Klimawende sei kein Luxus, sondern eine Voraussetzung für ihr Überleben. Die jungen Menschen sprachen sich für eine sofortige CO2-Abgabe, das Abschalten aller Kohlekraftwerke bis 2030 und das Erreichen der Klimaneutralität bis 2035 aus. Deutschland stehe als viertgrößter Treibhausgas-Verursacher weltweit in der Pflicht.

Die Konferenz selbst war auch betroffen von Wetterkapriolen: Das Hochwasser des Neckars nach Starkregen verhinderte Veranstaltungen auf einem Solarboot.