Heidelberg

Gesundheit Heidelberger Institut begutachtet Programm in Indien

Soziale Sicherung für arme Menschen

Archivartikel

HEidelberg.Mit 1,3 Milliarden Einwohnern zählt Indien zu den bevölkerungsreichsten Ländern der Welt. Davon lebt ein Großteil in Armut. Mit weniger als umgerechnet zwei Euro am Tag müssen viele über die Runden kommen. Familien sind gezwungen, nur in den dringendsten Fällen einen Arzt aufzusuchen – und sparen damit am falschen Ende. Deshalb hat Indien Ende des letzten Jahres begonnen, die größte Krankenversicherung der Welt aufzubauen. Die Regierung plant, bis zu 500 Millionen Haushalte zu versichern. Ob das neue Gesundheitsprogramm funktioniert, begutachtet nun ein internationales Forschungskonsortium. Darunter das Heidelberger Institut für Global Health (HIGH).

18 Monate Evaluierung

Das neue Krankenversicherungssystem mit dem Ziel der sozialen Absicherung von armen und benachteiligten Menschen in Indien wird in den nächsten 18 Monaten von einem Zusammenschluss aus der Universität Heidelberg, dem Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE), der City Universität London und zwei indischen Partnern wissenschaftlich begleitet. Die Experten untersuchen vor Ort etwa in Interviews mit Ärzten und Patienten, wie das neue Programm angenommen wird und ob sich die Lage dadurch verbessert hat. Zusätzlich sollen auch politische Entscheidungsträger befragt werden.

Die Deutsche Entwicklungszusammenarbeit stellt dem Team ein Budget von rund einer Million Euro zur Verfügung. Verantwortlich für die Evaluierung wird Dr. Manuela De Allegri vom HIGH sein. „Wir wollen gemeinsam herausfinden, ob sich die Lage der Familien tatsächlich verändert und wie sich die Qualität von Gesundheitsdienstleistungen in den beteiligten Krankenhäusern entwickelt.“

Stellt sich heraus, dass die landläufig nach dem indischen Premierminister Narendra Modi genannte „Modicare“-Reform funktioniert, wäre dies ein wichtiger Schritt für die soziale Sicherung vieler armer und benachteiligter Familien und könnte als Vorbild für eine armutssenkende Krankenversicherung in anderen Ländern gelten.

Schon 2008 hat Indien eine durch Steuern finanzierte Krankenversicherung (RSBY) für die Armen des Landes eingeführt. Durch diese waren bereits 41 Millionen Haushalte krankenversichert. Im September wurde diese durch Pradhan Mantri Jan Arogya Yojana (PM-JAY) abgelöst.