Heidelberg

Stadtplanung Rund 300 Bürger beteiligen sich an Masterplanung für das Neuenheimer Feld / Interessensausgleich auf Augenhöhe

Spitzengemüse und Elite-Köpfe

Heidelberg.Der nächste Schritt ist getan: Im Masterplanverfahren für das Neuenheimer Feld sind beim ersten Bürgerbeteiligungsverfahren am Mittwochabend Argumente ausgetauscht und das Vorgehen diskutiert worden. Rund 300 Bürger trafen sich dazu mit Vertretern von Stadt, Land und Universität in der Sporthalle im Neuenheimer Feld mehrere Stunden lang.

„Wir wollen eine gemeinsame Planung auf den Weg bringen“, wirbt Oberbürgermeister Eckart Würzner. Weitsichtig sei vor 50 Jahren auf „völlig freiem Feld“ vom Land Fläche für Wissenschaft und Forschung sowie Krankenversorgung reserviert worden. Damit sei die Grundlage für international renommierte Wissenschaftseinrichtungen entstanden. Doch diese Institutionen stießen nun an Grenzen.

Per Videobotschaft wünschte Unirektor Bernhard Eitel von einer Dienstreise aus Japan der Masterplanung gutes Vorankommen. „Wir sind zum Erfolg verdammt“, verwies er auf den wachsenden Druck des internationalen Wettbewerbs: „Wir brauchen einen großen Wurf, für die Uni, für die Stadt und für die Region“, fügt er hinzu. In den vergangenen 50 Jahren hätten Stadt und Land alle Entscheidungen fürs Neuenheimer Feld einvernehmlich getroffen, betont Bernd Müller, Leiter Vermögen und Bau, Amt Heidelberg und Mannheim – enthalten ist der Appell, auch im Masterplanverfahren konstruktiv an Lösungen zu arbeiten.

Langer Atem ist danach gefragt: Christiane Marks vom beauftragten Planungsbüro Imorde hat die undankbare Aufgabe die recht trockenen – und zum Teil noch nicht detailliert feststehenden Verfahrensschritte zu analysieren. „Das ist mir zu langweilig“, raunt ein Besucher seiner Sitznachbarin zu und verlässt die Turnhalle.

Viel schwungvoller und am Ende mit viel Applaus bedacht hingegen gerät der nächste Vortrag: „Sie können hier in Heidelberg etwas Visionäres entwickeln“, fordert Impuls-Referent Uwe Schneidewind. Produzenten von „Spitzengemüse“ müssten genauso in ihren Interessen wahrgenommen werden wie die Elite der Forschung, die nebenan arbeitet, plädiert er für einen Interessensausgleich auf Augenhöhe. Das kommt an auf den Zuschauerplätzen, auf denen etwa drei Viertel der Menschen aus Handschuhsheim, Neuenheim und dem Neuenheimer Feld kommen. Schneidewind arbeitet im Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, einer gemeinnützigen GmbH, die Leitbilder und Instrumente für eine nachhaltige Entwicklung entwerfen sollen. Außerdem ist er Mitglied im Club of Rome. Diese ebenfalls gemeinnützige Organisation arbeitet international am Schutz von Ökosystemen.

Beim „Markt der Möglichkeiten“ stellen sich etwa 80 Vereine, Initiativen und Einrichtungen vor, die Interessen am Neuenheimer Feld haben – vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) über Bezirksbeiräte bis zum Gartenbauverein. Gut zwei Drittel möchte Landschaft und Natur schützen und sieht eine Erweiterung von Universität oder anderen Forschungseinrichtungen eher kritisch.

In kleinen Gruppen wird engagiert diskutiert. Auch Monika Mussell spricht mit vielen Teilnehmern des Bürgerforums. Sie vertritt den Verein Feldkultur, der den Kulturraum Handschuhsheimer Feld unbedingt schützen möchte. „Wissen Sie, für dieses Ackerland gibt es keine zweite Option, man kann es nicht verlegen. Wenn es bebaut ist, ist es verloren“, gibt sie einem interessierten Zuhörer mit auf den Weg.