Heidelberg

Innenminister zu Besuch in Heidelberg

Strobl dankt Soldaten in Ankunftszentrum - Ausgangssperre endet

Archivartikel

Heidelberg.Innenminister Thomas Strobl (CDU) hat sich am Dienstag im Heidelberger Ankunftszentrum für Geflüchtete für den Einsatz der Soldaten in der Coronakrise bedankt. Gleichzeitig wies er Kritik des grünen Koalitionspartners an dem Einsatz zurück. "Das Zentrum ist das Herz der Flüchtlingsaufnahme in Baden-Württemberg, und die Bundeswehr trägt dazu bei, dass es schlägt", sagte Strobl in der Einrichtung bei einem Treffen mit Generalleutnant Martin Schelleis. Heidelberg ist der größte Einsatzort der Bundeswehr im Südwesten mit rund 80 Soldaten. Sie unterstützen die Einrichtungsleitung im Alltagsbetrieb und sollen so zu einer weiteren Entspannung der Situation im Patrick-Henry-Village beitragen.

Eingesetzt werden die Soldaten in den Bereichen Logistik, Versorgung und Information der Bewohnerschaft: etwa bei der Ausgabe von Essen und Getränken oder von Material wie Handtüchern und Reinigungsmitteln sowie bei Reparaturen im Gebäudekomplex. Sie begleiten die Bewohner zu einem Arztbesuch innerhalb der Einrichtung und helfen in der Krankenstation.

Adriano Simic gehört zur Deutsch-Französischen Brigade und ist für die Verpflegung zuständig, die wegen Corona zu den Bewohnern gebracht werden muss. Kantinenessen ist zu riskant. Er packt jeden Abend Essenspakete für die Bewohner. "Mir gefällt das sehr gut hier", sagte der 27-jährige Zeitsoldat, der sonst in der Aufklärung arbeitet. Wie er erzählen auch andere Soldaten von Dankbarkeit und Respekt der Geflüchteten ihnen gegenüber.

Bereits seit vergangenen Dienstag, 5. Mai, unterstützen die Soldaten die Mitarbeiter der Einrichtung bei ihrer Arbeit. Der Einsatz der Soldaten war nötig geworden, nachdem Ende April bei Bewohnern des Ankunftszentrums das Coronavirus nachgewiesen wurde. Die deswegen von der Stadt Heidelberg als zuständige Ortspolizeibehörde nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises am 27. April beschlossene Verfügung, die Bewohner der Einrichtung vorerst für zwei Wochen zu isolieren, wird mit Ablauf des Dienstags aufgehoben. Ursprünglich war die verordnete Quarantäne bis zum Freitag, 8. Mai, angedacht gewesen. 

„Auch nach Ende der Ausgangssperre werden im Ankunftszentrum Heidelberg weiterhin alle notwendigen sowie seitens des Gesundheitsamtes empfohlenen Schutz- und Präventionsmaßnahmen getroffen, um eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern und sowohl Bewohnerschaft als auch Beschäftigte bestmöglich vor einer SARS-CoV-2-Infektion zu schützen“, wird in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Karlsruhe versichert. Zudem soll das Risiko sich zu infizieren, durch eine höhere Kontrolldichte minimiert werden. Um die Corona-Pandemie weiter einzudämmen, bleibe die Belegung vor Ort aufgelockert.

Zahl der Infizierten bei drei

Derzeit sind im Heidelberger Ankunftszentrum auf dem Gelände der früheren US-Militär-Siedlung Patrick-Henry-Village 785 Flüchtlinge bei einer Kapazität von 3500 Plätzen untergebracht. Anfang März waren es noch 1200. Die Zahl wurde auf den derzeitigen Wert gesenkt, um die vorhandenen Plätze wegen des Infektionsschutzes weniger dicht belegen zu können. Die Zahl der Infizierten liegt bei drei. 

Vor wenigen Tagen hatte der Grünen-Innenpolitiker Uli Sckerl kritisiert, der Umfang des Einsatzes der Soldaten im Südwesten sei in der Koalition nicht abgesprochen gewesen und es würden - entgegen dem Grundgesetz - hoheitliche Aufgaben von der Bundeswehr übernommen. Strobl verwies auf den Polizeiposten auf dem Gelände, der für Sicherheit und Ordnung zuständig sei. Im übrigen berichte er regelmäßig im Kabinett über den Einsatz der insgesamt 146 Soldaten, darunter 41 Sanitätssoldaten, in der Flüchtlingsunterbringung im Südwesten. Im Sozialministerium und im Innenministerium unterstützen fünf Offiziere bei der Stabsarbeit. Derzeit gibt es noch 47 bestätigte Krankheitsfälle in Flüchtlingsunterkünften im Land, davon 37 in Ellwangen.

Laut Generalleutnant Schelleis stehen bundesweit 15 000 Soldaten in Bereitschaft, um im zivilen Bereich Corona-bedingt zu helfen. Rund 700 seien im Einsatz. "Die Soldaten fühlen sich hier sehr gut aufgehoben", sagte er mit Blick sowohl auf das Personal als auch die Bewohner der Heidelberger Einrichtung.

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