Heidelberg

Antisemitismus Appell: „Zivilcourage zeigen“

Studierende verurteilen antisemitischen Angriff scharf

Heidelberg.Die Studierendenschaft der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg verurteilt den antisemitischen Angriff auf einen Studierenden auf das Schärfste, teilte die Vertretung der Studierenden nach dem Übergriff im Haus der Burschenschaft Normannia am Donnerstag mit.

„Sowohl die Universität Heidelberg als auch die Heidelberger Studierendenschaft haben eine beschämende Vergangenheit, was Antisemitismus und Nationalsozialismus anbelangt. Als Studierende der Universität Heidelberg sehen wir uns deshalb in einer besonderen Verantwortung, dass weder nationalsozialistisches Gedankengut noch Antisemitismus je wieder einen Platz an unserer Universität – oder überhaupt in unserer Gesellschaft – finden“, sagte der Vorsitzende der Studierendenschaft Leon Köpfle in einer Pressemitteilung. Gemeinsam mit den Kommilitonen setze man sich mit Nachdruck gegen derartiges Gedankengut ein und appelliere an die Studierenden, bei solchen Vorfällen Zivilcourage zu zeigen.

Die Heidelberger Studierenden verstünden sich als eine offene und tolerante Gemeinschaft. Schon 2013 hätten die Studierenden Toleranz und den Kampf gegen Diskriminierung und Benachteiligung zu den Grundprinzipien der Arbeit ihrer Vertretung erklärt. „Wir stehen daher hinter der jüdischen Gemeinde und allen jüdischen Studierenden“ betonte die Referentin für Betroffene von Rassismus und Diskriminierung aufgrund kultureller Zuschreibungen. Dass im Jahre 2020 immer noch – oder sogar wieder verstärkt – jüdische Kommilitonen und Mitbürger angepöbelt und angegriffen würden, sei ein Skandal. Staat und Zivilgesellschaft seien nun aufgerufen, dafür zu sorgen, dass Juden sich sicher und als geschätzter Teil unserer Gesellschaft fühlen. Ein fatales Signal wäre es, nur auf die körperlichen Übergriffe und Schäden zu schauen und die psychische Gewalt und ihre Schäden aus den Augen zu lassen.

Neben etwaigen strafrechtlichen Konsequenzen für einzelne Beteiligte dürfe die Auflösung der Aktivitas der Normannia nicht die einzige Konsequenz bleiben. Zu den vielen offenen Fragen gehöre, wie die Normannia sich so lange ohne Widerstände und fehlende Distanzierung von Kommilitonen in Heidelberg habe halten können, obwohl rechtsextreme Umtriebe dort offensichtlich wohlbekannt waren.

Uni sieht Privatangelegenheit

Für die Universität Heidelberg besteht nach dem antisemitischen Vorfall indessen keinerlei Handlungsbedarf, wie eine Sprecherin dieser Redaktion auf Anfrage sagte. Es bestehen demnach keinerlei institutionellen Kontakte der Universität zu irgendeiner Studentenverbindung. Dies sei eine „Privatangelegenheit von Personen, die sich in irgendwelchen Netzwerken zusammengefunden haben“, sagte die Sprecherin der Universität Heidelberg, Marietta Fuhrmann-Koch. 

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