Heidelberg

Zoo In der ehemaligen Bärengrube entstand ein neues Gehege für Erdmännchen und Stachelschweine / Besuch auf Augenhöhe

Umzug in Narkose mit Schubkarre

Archivartikel

Heidelberg.Noch schauen sie scheu aus der Höhle – doch bald wird die Neugierde der Erdmännchen Oberhand gewinnen. Bei der Erkundung des neuen Zuhauses laufen ihnen jetzt Stachelschweine über den Weg. Der Heidelberger Zoo hat als ersten Teilabschnitt des neuen Raubtierreviers das kombinierte Erdmännchen-Stachelschwein-Gehege eröffnet. Über 130 000 Euro wurden für den Ausbau gespendet.

Große Termitenhügel, gemütliche Röhren und viele Buddelmöglichkeiten bieten Möglichkeiten zum Spielen, Buddeln, Schlafen und Schmusen. Die künstlichen Termitenhügel sind sogar dank Heizung besonders behaglich.

Wie zieht man ein Stachelschwein um? Zoodirektor Klaus Wünnemann erklärt, dass die nicht lammfrommen Tiere in leichte Narkose versetzt und dann mit einem Schubkarren die paar Meter ins neue Zuhause gebracht wurden. Schließlich sollten Verletzungen von Mensch und Tier auf jeden Fall verhindert werden.

Das neue Revier bietet viel Platz und ist auf Familienplanung ausgelegt: „Wir haben viele Tiere der Erdmännchen-Population an andere Zoos abgegeben, um Inzuchtprobleme zu vermeiden“, sagt Wünnemann. Zwei der putzigen Nager sind eingezogen. Die Hochnäsigkeit der Spezies Mensch von einst machte damit Respekt Platz: Die alte Bärengrube war noch ein Zeugnis aus den ersten Tagen des Zoos, der vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet worden war. Die Exoten setzten ihre Tatzen noch in den Nachkriegsjahren auf kaltem, nach Ammoniak stinkenden Beton, hatten weder Grasbüschel noch Baum zum Schubbern, aber ständig die Köpfe der Besucher über sich.

Alte Bärengrube passé

Teile der Betonfestung sind bewusst erhalten geblieben, doch nun läuft der Besucher an ihnen entlang nach unten, wo durch Glasscheiben der Blick in Bereiche der Höhlen gerichtet werden können. Erdmännchen und Stachelschweine kann man so auf Augenhöhe in einer artgerechten Umgebung bestaunen. miro