Heidelberg

Advent Weihnachtsmarkt im Stift Neuburg eröffnet - wegen eines Rechtsstreits vielleicht zum letztem Mal in dieser Form

Ungewissheit auf dem Klosterhof

Heidelberg."Das hier ist einer meiner Lieblingsweihnachtsmärkte in Heidelberg", sagt die Besucherin Clara Röder bei der Eröffnung des diesjährigen Adventsmarktes auf dem Stift Neuburg. "Ich mag die besondere Atmosphäre hier." Mit dieser Meinung steht die Besucherin nicht alleine da. Besonders seit die Heidelberger Schlossweihnacht 2015 ihre Pforten bis auf weiteres geschlossen hat, gilt unter vielen Einheimischen der Markt auf dem Gelände des alten Benediktinerklosters als ein Geheimtipp.

Pachtvertrag gekündigt

Wenig weihnachtlich sind allerdings die Rahmenbedingungen des diesjährigen Weihnachtsmarktes auf dem Stift Neuburg, der in seiner bisherigen Form möglicherweise das letzte Mal stattfinden wird. Grund dafür ist der Rechtsstreit zwischen dem Kloster und der Klosterhof Neuburg GmbH & Co. KG, dem bisherigen Pächter der Gastronomie und der landwirtschaftlichen Liegenschaften des Stifts. Aufgrund von Differenzen hatte das Kloster im Jahr 2015 den Pachtvertrag fristlos gekündigt.

Die Wirksamkeit der Kündigung zum 31. Dezember 2016 ist mittlerweile durch ein Urteil des Oberlandesgerichts Karlsruhe bestätigt worden. Hiergegen haben die Pächter jedoch eine Nichtzulassungsbeschwerde beim Bundesgerichtshof eingelegt, die eine aufschiebende Wirkung bezüglich der Kündigung entfaltet. Aufgrund dieser Streitigkeiten bestand lange Zeit Unsicherheit darüber, ob der Weihnachtsmarkt stattfinden wird.

Nach Ansicht des Klosters hätte jedenfalls nicht die Klosterhof Neuburg GmbH & Co. KG die Veranstaltung organisieren dürfen. Laut einer auf der Internetseite des Klosters veröffentlichten Stellungnahme schaffe die GmbH in den Augen der Mönche "unerlaubte Fakten" - da der Markt veranstaltet werde, ohne dass vorher eine Genehmigung von Seiten des Klosters eingeholt worden sei. Im Gegenzug hierfür fordern die Mönche nun von den Pächtern, dass die Erträge des Weihnachtsmarktes "zu gleichen Teilen als Spende an das Paulusheim Heidelberg und die Freiwillige Feuerwehr Ziegelhausen gehen".

Späte Einladung

Am ersten Tag waren die Besucherzahlen zunächst gering. "Dieses Jahr wurde kaum Werbung für den Markt gemacht. Aber auch in den vergangenen Jahren kam der große Andrang erst in den folgenden Tagen", heißt es von Seiten der Standbetreiber. Dieses Jahr seien jedoch viel weniger Stände vertreten als noch in den Jahren zuvor. Tatsächlich klaffen zwischen den Ständen Lücken - Stellen, an denen 2016 noch Waren angeboten wurden. "Wir haben erst kurzfristig erfahren, dass der Weihnachtsmarkt stattfinden wird", sagen viele der Händler.

"Schon voriges Jahr hatten wir gedacht, dass die Veranstaltung ausfallen würde. Ich hatte daher eigentlich schon meine Teilnahme an anderen Märkten geplant", erzählt einer der Standbetreiber. "In der ersten Novemberwoche kam dann aber doch die Einladung. Für viele Händler war das zu spontan. Üblich ist eine Vorbereitungszeit von ungefähr einem Jahr."

Namentlich genannt werden möchte von den Händlern allerdings niemand, der sich zu dem Thema äußert. Viele Aussteller können sich noch immer nicht so recht vorstellen, dass dies nun wirklich der letzte Weihnachtsmarkt im Stift Neuburg sein soll und hoffen auf eine Neuauflage des Marktes und eine Teilnahme im Jahr 2018.

"Laut der Internetseite des Klosters soll der Weihnachtsmarkt auch in Zukunft in gewohnter Weise ausgerichtet werden", erklärt ein Händler. "Wir kennen uns hier alle untereinander. Manche stellen schon seit elf Jahren regelmäßig ihre Waren aus. Man hofft ja doch noch, dass sich die Parteien irgendwie einigen und uns dieser schöne Markt in Zukunft erhalten bleiben wird."