Heidelberg

Eklat Landtagspräsidentin gerät mit AfD-Abgeordnetem an Heidelberger Gymnasium aneinander

"Unglückliche Umstände"

Archivartikel

Rhein-Neckar.Hat sich der Mannheimer AfD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Klos heimlich in eine Schulveranstaltung mit Landtagspräsidentin Muhterem Aras in Heidelberg eingeschlichen - und einen Mitschnitt ihrer Ansprache gefertigt? Klos widerspricht und kündigt Konsequenzen an. Eine Sprecherin des Stuttgarter Landtags geht davon aus, dass "unglückliche Umstände" zusammengekommen seien.

Montagvormittag, der Tag nach der Bundestagswahl. Landtagspräsidentin Aras hat zwei Schulbesuche à 90 Minuten auf ihrer Agenda: Nach dem Englischen Institut (EI) in der Heidelberger Südstadt wird sie im Helmholtz-Gymnasium erwartet. Solche Schulbesuche absolvieren Aras (Bündnis 90/Grüne) und ihr Stellvertreter Wilfried Klenk (CDU) häufig. Ihre Aufgabe: Den Schülern die Arbeit des Landtags näherbringen. "Sie war als Landtagspräsidentin da, nicht als Grünen-Abgeordnete", erklärt Landtags-Pressesprecherin Gabriele Renz. Am EI soll es nach Medienberichten zum Eklat gekommen sein, weil der AfD-Abgeordnete Klos "und ein weiterer Funktionär" die Schulveranstaltung "unterwanderten". Als aus dem Handy des Klos-Begleiters Aras' Stimme klang, seien beide aufgefordert worden, die "heimliche" Aufnahme zu löschen. Der Rektor habe den Abgeordneten nur knapp nicht rausgeworfen.

Versehentliche Aufnahmen?

Für Klos ist das Verhalten des Rektors und der Landtagspräsidentin ein Skandal, "der Folgen haben wird". Er sei wie alle Landtagsabgeordneten eingeladen und persönlich von Aras begrüßt worden. Im Februar und März besuchte Klos aus gleichem Anlass bereits drei Schulen in Mannheim und Heidelberg. "Mein Mitarbeiter wollte im Internet Informationen zu Frauke Petry recherchieren", beschreibt Klos. Das Handy sei nicht sein übliches gewesen, deshalb habe er sich damit nicht ausgekannt. "Er hat wild auf dem Handy rumgetippt, um ins Internet zu kommen. Dabei hat er wohl versehentlich die Memofunktion ausgelöst, die an der Stelle für den Internetzugang - aber in der darunterliegenden Ebene - liegt, diese beendet und den Lautsprecher ausgelöst, so dass ein 21-Sekunden-Schnipsel entstanden ist", sagte Klos im Gespräch mit dieser Zeitung. Sofort habe der Mitarbeiter mehrfach angeboten, Aras das Handy zu übergeben. Dies habe sie abgelehnt. Später, nach dem Besuch im Helmholtz-Gymnasium, habe sich "Frau Aras davon überzeugen können, dass es sich nur um einen 21-Sekunden-Schnipsel gehandelt hat." Dieser sei noch dort gelöscht worden.

"Herr Klos hat sich völlig berechtigt dort aufgehalten", sagt Renz. Sein Mitarbeiter hingegen hätte nicht in der Schule sein dürfen. Außerdem sei wohl verpasst worden, den Abgeordneten anzumelden, worum stets gebeten werde. Eine Aufnahme sei bei der "halböffentlichen" Veranstaltung okay gewesen. Ein "Mitgestaltungsrecht" der Abgeordneten hingegen gebe es bei den Veranstaltungen nicht: "Das ist das Format der Präsidentin." miro