Heidelberg

Justiz Prozess um Überfall auf einen Pizzaboten

Versteckt zwischen Autos

Archivartikel

Heidelberg.„Ich hatte Lust auf eine Pizza“: Mit diesen Worten begründet ein 21-Jähriger vor dem Heidelberger Landgericht, warum er im November 2017 zum Beteiligten eines Raubüberfalls wurde. Gestern hat im Justizzentrum die Hauptverhandlung gegen ihn und einen mutmaßlichen Komplizen begonnen.

Während der 22-Jährige zunächst keine Angaben macht, hat der 21-Jährige seine Tatbeteiligung an dem Überfall am 13. November in einer Tiefgarage auf dem Emmertsgrund gestanden. Er gibt zu, per Handy beim Lieferservice eine „Pizza Salami“ und ein Getränk bestellt und den Boten damit in die Falle gelockt zu haben. „Ich habe die ganze Zeit an etwas Anderes gedacht, war nicht ganz bei der Sache. Und dann ist die Sache passiert“, schildert der Jüngere das Geschehen. Er sei von seinem Kumpel auf den Emmertsgrund gerufen worden. Als der Bote kam, sei der Freund maskiert und mit einem Messer bewaffnet zwischen abgestellten Autos aufgetaucht und habe den Boten bedroht. Er selbst habe die Pizza fallen lassen und sei geflüchtet. Wenig später wurden beide in der Nähe des Tatortes festgenommen.

Die Anklage wirft den Männern schwere räuberische Erpressung vor. Die Beute: 250 Euro. Beide Angeklagte sind strafrechtlich vorbelastet, der mutmaßliche Haupttäter war sechs Wochen vor der Tat vorzeitig aus der Haft entlassen worden.

Ungewöhnlicher Hinweis

Um 22.11 Uhr war die Bestellung in der Filiale in Kirchheim eingegangen, schildert der Pizzabote, der als Zeuge aussagte. „Auf dem Karton stand: Kunde wartet neben Garage. Das war ungewöhnlich für eine Bestellung, erzählt der 38-jährige Aushilfsfahrer. „Der Maskierte war sehr groß. Er sagte: Ich will nur dein Geld. Da habe ich ihm den Geldbeutel hingeworfen und er ist verschwunden.“

Verletzt wurde der Fahrer nicht, auch über psychische Beeinträchtigungen berichtet er nicht. Dennoch spiele der Vorfall bei der Arbeit täglich eine Rolle. Bei dem Überfall sei viel Vertrauen verloren gegangen, erzählt das Opfer: „Kein Fahrer will mehr da hochfahren.“

Staatsanwalt Jonathan Waldschmidt fordert sechs beziehungsweise drei Jahre Haft für die beiden Angeklagten. Verteidiger Matthias Diefenbacher hält für seinen Mandanten, den 21-Jährigen, eine Haftstrafe unter drei Jahren für angemessen. Das Urteil soll am 18. April gesprochen werden. miro