Heidelberg

Verkehr Stadt erweitert Radwegenetz / Schwerpunkt große Achsen / Geld für Gneisenaubrücke liegt bereit

Warten auf Brückenbau-Start

Heidelberg.260 Kilometer lang ist das Radwegnetz in Heidelberg. In den nächsten Jahren soll es weiter ausgebaut werden. Besondere Priorität haben dabei die großen Achsen und die Entschärfung von Knotenpunkten. Noch in diesem Jahr, heißt es aus dem Rathaus, soll mit dem Bau der Rad- und Fußgängerbrücke über die Bahngleise begonnen werden. Sie verbindet die Bahnstadt mit der Gneisenaustraße in Bergheim. Das ist bei einer Radtour mit Pressevertretern gestern Vormittag betont worden.

8,5 Millionen Euro liegen für den Bau der Schrägseilbrücke bereit. „Unser Ziel ist es, dieses Jahr mit dem Bau beginnen zu können“, betont Oberbürgermeister Eckart Würzner. „Wir warten auf die Genehmigung des Regierungspräsidiums“, unterstreicht Baubürgermeister Jürgen Odszuck.

Fördergelder fristgebunden

So langsam sitzen die Heidelberger Planer dabei auf „heißen Kohlen“. „Wir möchten nicht fristgebundene Fördergelder riskieren“, fügt Odszuck hinzu. Noch ein Problem: Die Zeit drängt auch, weil mit der Bahn AG ein Bau-Fahrplan abgesprochen werden muss. Für den Brückenschlag wird eine Sperrung der Zugverbindung nötig. „Die Bahn hat ohnehin schon einige eigene Baustellen“, weiß Odszuck. Das Land Baden-Württemberg hat 1,7 Millionen Euro für den Bau des 129 Meter langen Überwegs zugesagt. Zwischen dem Großkino und dem geplanten Fitnesscenter soll die Brückenrampe – mit Rampen wird die Brücke 180 Meter lang – hindurchführen. An einem 37 Meter hohen Pylon auf Bergheimer Seite wird das Betonbauwerk verankert werden. Auf sechs Metern Breite werden getrennte Spuren für Fußgänger und Radler eingeteilt.

„Damit haben wir dann eine nahezu kreuzungsfreie Verbindung von der Südstadt nach Bergheim“, freut sich Würzner. Hinter dem Helmholtz-Gymnasium liegt der Einstieg zum Radweg auf einer ehemaligen Bahntrasse. Rechts und links bieten Schotterberge und aufgeschichtete alte Holz-Schwellen seltenen Reptilien wie Eidechsen Rückzugsorte. Das Areal ist als ökologisches Ausgleichsprojekt bei der Entstehung des Stadtteils Bahnstadt realisiert worden.

„An Wochenenden wird es auf diesem Weg schon wieder eng, weil er von Fußgängern, Familien, Hundebesitzern und Radfahrern gerne benutzt wird“, weiß Verkehrsmanager Alexander Thewalt. Auch er und seine Mitarbeiter schätzen die neue autofreie Strecke: „Wenn wir zu Terminen in die Bahnstadt radeln, nehmen wir diesen etwa einen Kilometer längeren Weg von der Gaisbergstraße aus.“ Der deutlich kürzere Weg würde durch die Weststadt beziehungsweise die Kurfürsten-Anlage führen – also über stark von Autos genutzten Straßen.

Neckarquerung ín Vorplanung

Noch ist nicht abschließend geklärt, wie der Radfahrer von Bergheim aus weiter Richtung Neuenheimer Feld gelangt: Für die anvisierte Rad- und Fußgängerbrücke über den Neckar laufen die Vorbereitungen der Ausschreibung. Danach soll es einen Ingenieurswettbewerb geben. „Ab Spätherbst“, schätzt der Baubürgermeister, sollen die Vorbereitungen abgeschlossen und das Thema reif für die Diskussion im Gemeinderat sein. Die neue Nord-Süd-Achse soll den Zweiradverkehr über die Neckarbrücke und die Mittermaierstraße entlasten: Zu Spitzenzeiten rollen hier 12 000 Räder am Tag durch. Auf der Ost-West-Achse soll der Adenauerplatz fahrradfreundlicher werden. 1,15 Millionen Euro sind dafür vorgesehen.

Mehr als jeden dritten innerstädtischen Weg erledigen die Heidelberger mit dem Rad. „Doch auch die, die nicht in Heidelberg wohnen können, sollen von besseren Radverbindungen profitieren“ betont Würzner. So sollen die Anbindungen an die Radschnellwege nach Mannheim und Darmstadt realisiert werden. Ein breiterer Radweg nach Leimen gehört ebenfalls dazu. Etwa drei Viertel der täglich 70 000 Einpendler kommen derzeit noch mit dem Auto.