Heidelberg

Porträt Nach 16 Jahren als Oberbürgermeisterin engagiert sie sich heute für den Umweltschutz – unter anderem für Lachse in Kanada

Was macht … Beate Schuerholz-Weber ?

Archivartikel

Heidelberg.„Es geht mir richtig gut“: Das ist keine Floskel, sondern der Satz kommt von irgendwo ganz tief drinnen und lässt keinen Zweifel. Beate Weber-Schuerholz, 16 Jahre lang Heidelbergs Stadtoberhaupt und erste Oberbürgermeisterin in Baden-Württemberg, strahlt ansteckend fröhlich und steckt voller Energie beim Treffen zum Tee im „Café Schafheutle“. Vor zwölf Jahren ist sie aus dem Rathaus ausgezogen. „Es ist ein tolles Gefühl, frei zu sein“, ist die 74-Jährige überzeugt, richtig gehandelt zu haben, als sie sich 2006 nicht um eine dritte Amtszeit bewarb. Beschaulich wurde es in ihrem Leben seither nicht: Mit ihrem Mann engagiert sie sich in Kanada in einem Umweltprojekt, als Expertin für nachhaltiges Stadt-Management hält sie Vorträge bis nach Südchina.

Gerade verbringt Beate Weber-Schuerholz, wie sie seit ihrer zweiten Hochzeit 2012 heißt, wieder ein paar Monate in der Stadt. Am Internationalen Frauentag im Rathaus hat sie mit darüber diskutiert, warum Frauen es immer noch schwerer haben, in der Politik Karriere zu machen. Als die Sozialdemokratin am 21. Oktober 1990 im Alter von 46 Jahren zur Stadtchefin gewählt wurde, kam das einem kommunalpolitischen Erdbeben gleich. „Ich wollte das Rathaus öffnen“, erinnert sie sich. An ihrem 50. Geburtstag tat sie das auch bei einer großen Party und mit einer Oberbürgermeisterin auf Augenhöhe. „Ich wollte eine Stadtverwaltung, die keine Obrigkeit ist.“, sagt sie.

Netzwerken wichtig

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, der Ausbau der Ganztagsbetreuung: Diese Themen setzte die Mutter einer Tochter, die ausgebildete Grundschul- und später Beratungslehrerin ganz oben auf ihre Agenda. 1996 wählte sie das ZDF-Magazin „Mona Lisa“ auch deshalb zur „Frau des Jahres“. Wie wichtig Netzwerken für den Erfolg ist, war Weber-Schuerholz immer klar – und so führte sie unter anderem einen bald „Hexentreffen“ getauften, jährlichen Austausch von Stadträtinnen und ein Treffen mit später gewählten Kolleginnen im Land ein.

Im Dezember wird die Altbürgermeisterin, seit 2012 auch Ehrenbürgerin, 75. Pläne habe sie noch keine, sagt sie, und das Datum löse bei ihr weder Panik noch Erwartungen aus. Wie man gut altert, lebt ihre Mutter Uta Asher ihr vor, die mit ihren neuneinhalb Lebensjahrzehnten noch sehr interessiert am öffentlichen Leben teilnimmt. Ausbau der B 37 und Bergheimer Straße, Radfahrstreifen an Hauptstraßen, Frauen-Nachttaxi, Studenten-Semesterticket und vieles mehr gehen auf Webers „Kappe“. Manche ihrer Infrastruktur-Themen beschäftigen ihren Nachfolger noch, etwa die Anbindung des Campus mittels Straßenbahn. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass Eckart Würzners Planung für das Neuenheimer Feld keinen Erfolg hatte.“ Schwierig auch – Stichwort „Stadt an den Fluss“ – mehr Leben ans Neckarufer zu bekommen. „Die enge Talsituation lässt da nicht viel Spielraum“, weiß sie. Die Verkehrssituation in der Altstadt müsse mit neuen Ideen gelöst werden – warum nicht über Elektrokarren nachdenken, die die Geschäfte beliefern, findet sie. Die mittelalterliche Altstadt könne nicht – wie zum Beispiel die IHK kürzlich forderte – unbegrenzt erreichbar sein.

Etwa die Hälfte des Jahres verbringt Weber-Schuerholz mit ihrem Mann, dem Deutsch-Kanadier Götz Schuerholz, auf Vancouver Island. Dort haben sie die Umweltorganisation CERCA (Cowichan Estuary Restoration and Conservation Association ) aufgebaut, die ein Flussmündungsgebiet schützt, das Lachse zum Überleben brauchen.

Nicht als Lehrerin, sondern als erfahrene Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die einen wichtigen Ausschuss geleitet hatte, sei sie ins Rathaus eingezogen, auf diese Feststellung legt Weber-Schuerholz wert – und da verwandelt sich das so anmutige Lächeln gleich in ein verbindliches Ins-Auge-Nehmen.

Stolz ist sie, was sie – „mit diesem tollen Team im Rathaus“ – in ihren Amtsjahren schaffen konnte, obwohl es „keine einfachen Zeiten waren“, wie sie sich erinnert: Unmittelbar nach der Wende waren die finanziellen Möglichkeiten der Kommune keineswegs üppig. Beim Sparen halfen die Mitarbeiter mit Ideen.

Und wie gefallen ihr die Veränderungen in der Stadt, etwa der neue Stadtteil Bahnstadt? „Wenn man viele Menschen unterbringen möchte, muss man dicht und in die Höhe bauen“, sagt sie. Und: „Alles, was neu ist, braucht Zeit und Gewöhnung.“ Dass die Konversionsflächen eine große Entwicklungschance bringen, habe sich zum Ende ihrer Amtszeit abgezeichnet. „Aber wir wussten noch nicht, wann genau die US-Streitkräfte abziehen würden.“

Info: Dossier unter morgenweb.de/wasmacht