Heidelberg

Soziales Marina Bathauer und Kristina Messmer kochen mit Kindern / Nachwuchs lernt auf spielerische Weise gesunde Ernährung kennen

„Wie Pommes, nur aus Gemüse“

Archivartikel

Heidelberg.Was Gemüsesticks sind, kann der achtjährige Maxim aus Emmertsgrund problemlos erklären: „Wie Pommes, nur aus Gemüse.“ Er ist einer von derzeit 14 Kindern, die seit Juli 2017 im Kurs „Kochen mit den fitten Fröschen!“ in Emmertsgrund gemeinsam kochen, tanzen und dabei – ganz nebenbei – viel über gesunde Ernährung lernen.

Mit weißen Kochmützen und froschgrünen Schürzen gehen die kleinen Köche jeden Montagabend in den Räumen des Jugendcafés Emmertsgrund an die Arbeit. Ob Pfannkuchen mit Obstsalat oder Avocadodip: Die Initiatorinnen Marina Bathauer und Kristina Messmer achten darauf, jede Woche frische Lebensmittel aus der Saison zu verarbeiten. Nicht alle Obst- und Gemüsesorten sind den Kindern von Anfang an bekannt. Hier erfahren sie, wo und wie diese wachsen. Dieses Mal gibt es Gemüsesticks mit drei verschiedenen Dips und Schnecken aus Wraps, gefüllt mit Salat, Schinken, Gemüse und Mozzarella. Nele findet das super. Die Achtjährige hilft auch zuhause gerne beim Kochen. Konzentriert rührt sie Dips und schneidet Gemüse. Sie hat gelernt, dass sie mit dem sogenannten Krallengriff und der richtigen Schnittführung keine Angst vor Verletzungen haben muss.

Neben Lebensmittelkunde und der Freude am Kochen vermitteln Bathauer und Messmer auch einfache Knigge- und Verhaltensregeln. „Die Gabel liegt immer links vom Teller, das Messer rechts. Und man soll aufrecht sitzen“, weiß die zehnjährige Ranja. Auch Hygiene ist ein Thema. Wer genascht hat, wäscht sich die Hände. Brettchen und Messer werden nach der Verwendung zur Spüle gebracht, der Tisch sauber abgewischt. Für das gemeinsame Probieren und Abschmecken hat Bathauer einen ganz einfachen Trick parat: Jeder bekommt einen Klecks auf seinen Handrücken.

Neue Speisen entdeckt

Vor dem Essen wird der Tisch gemeinsam gedeckt, die zubereiteten Speisen ansprechend präsentiert. Die Kinder probieren alles, viele essen dadurch inzwischen Lebensmittel, die sie früher nicht angerührt haben. Wie der sechsjährige Paul, der zuhause nie Salat oder Gemüse aß. „Dann habe ich es hier probiert, und es hat mir geschmeckt“, sagt er. Seine Mutter Jennifer bestätigt das: „Seit er hier ist, isst er sogar Spinat.“ Und Maxim ergänzt: „Heute schmeckt mir zum ersten Mal Kohlrabi.“ Das hört Kristina Messmer gerne: „Am meisten Freude macht es mir, wenn es den Kindern schmeckt.“ Während die Gerichte auf dem Herd oder im Backofen sind, wird getanzt oder gesungen. „Die Kinder können in dieser Zeit entspannen und bekommen Hunger“, erklärt Bathauer.

Die beiden ausgebildeten Erzieherinnen wollten sich mit diesem Projekt für ihren Stadtteil engagieren. Ein Ansatz war es, Kinder vom Computer und der Straße wegzubekommen. Und: „Wir wollten das machen, was wir gut können.“ Beide kochen auf Basis der Initiative „Ich kann kochen!“ der Sarah Wiener Stiftung an der Internationalen Gesamtschule Heidelberg IGH. Ihre Idee: Ein Kurs für Kinder zwischen fünf und neun Jahren, der gesunde Ernährung mit Bewegung verbindet.

Los ging es im Juli 2017. Zuerst wurden die Unkosten aus dem Topf der Stadt Heidelberg für den Stadtteil Emmertsgrund getragen. Doch die Mittel standen nur bis Ende 2017 zur Verfügung. Messmers Mann Alexander, der sich um die organisatorische Seite des Projektes kümmert, suchte daraufhin nach Sponsoren und wurde mit der Manfred-Lautenschläger-Stiftung fündig. Diese übernimmt seit 2018 und für die Dauer von insgesamt drei Jahren alle Kosten. Geschäftsführerin Catharina Seegelken übergab in diesen Tagen einen Scheck in Höhe von 10 750 Euro. Dadurch können die Kinder kostenfrei teilnehmen. „Das war für uns wichtig, denn wir wollen jeden ansprechen“, so Seegelken, selbst zweifache Mutter.

Keine Selbstverständlichkeit

Das Projekt ist eingebunden in das aktive Netzwerk von ehrenamtlichen und städtischen Initiativen im Emmertsgrund und wird durch den Stadtteilverein und das städtische Kinder- und Jugendzentrum unterstützt. Für dessen Leiter Joachim Ritter ist die Initiative keinesfalls selbstverständlich: „Dass sich eine Familie so in ihrem Stadtteil engagiert, finde ich ganz besonders.“ Das schätzen auch die Eltern der fitten Frösche. Nach der Scheckübergabe bedankten sie sich mit den Worten: „Wir sind sehr glücklich, dass es das hier gibt. Damit unsere Kinder fit bleiben und gesund aufwachsen.“