Heidelberg

Bildung Das Schiff MS Wissenschaft ankert gerade am Neckar und zeigt Besuchern die wachsende Bedeutung intelligenter Systeme / Eintritt frei

Zukunftsmaschinen mit künstlichem Gehirn

Archivartikel

Heidelberg.Künstliche Intelligenz (KI) – was kann sie und wo ändert sie unser Zusammenleben? Wer das herausfinden will, der ist auf der MS Wissenschaft richtig. Das Schiff des Bundesministeriums für Bildung und Forschung ankert gerade in Heidelberg. Besucher können anhand von 34 Exponaten erleben, wo sich selbstständig arbeitende und lernfähige Systeme einsetzen lassen.

Von außen erscheint der ehemalige Frachter, der jetzt zwischen Marstall und Alter Brücke festmacht, eher unspektakulär. Unter Deck ändert sich dieser Eindruck, denn wo früher Stückgut lagerte, erwarten die Besucher heute farbige Infotafeln und interaktive Exponate. Die Ausstellung besteht aus zwei Teilen. Kurze Texte erklären zunächst die Funktion und den Aufbau des menschlichen Gehirns, die Forscher zu simulieren versuchen. Dabei kommen sogenannte neuronale Netze zum Einsatz, die Informationen sammeln und zu Wissen verknüpfen sollen. Dass sich zum Beispiel Ärzte für ihre Diagnosen längst solcher Systeme bedienen, erklären kurze Videos.

Wichtigste Forschungsetappen

Als die MS Wissenschaft in Berlin auslief, forderte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek, die Potenziale der KI für eine höhere ökonomische Wertschöpfung zu nutzen, aber gleichzeitig nach ethischen Grenzen für ihren Einsatz zu fragen. Daher gelte es, mehr Professuren zur Erforschung künstlicher Intelligenz einzurichten und einen stärkeren Austausch mit der Wirtschaft und der Gesellschaft herzustellen.

Auf dem Schiff zeigt eine Zeitleiste die wichtigsten Etappen in der Erforschung künstlicher Intelligenz, die im 19. Jahrhundert mit ersten Rechenmaschinen einsetzte und 1950 mit dem vom englischen Informatiker Alan Turing entwickelten Test einen ersten Höhepunkt fand.

Im zweiten Teil dominieren die Exponate. In einem vom Institut für Kognitionswissenschaft der Uni Osnabrück entwickelten Fahrsimulator können sich Besucher eine Brille aufsetzen und von einem selbst fahrenden System durch eine virtuelle Stadt kutschieren lassen.

Anschließend beantworten die Testpersonen Fragen darüber, wie es sich anfühlt, nicht ins Geschehen eingreifen zu können. An diesem Langzeitexperiment, dessen Auswertung im Internet veröffentlicht werden soll, hätten bereits 10 000 Besucher teilgenommen, verriet einer der Helfer, die als „Lotsen“ an Bord sind. Sie bieten kostenlose Führungen an und beantworten die Fragen der Besucher. Diese haben noch bis Sonntag Gelegenheit, sich jeweils von 10 Uhr bis 19 Uhr zu informieren. Der Eintritt ist frei. Nächste Woche ankert die MS Wissenschaft in Mannheim.

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